Von den 367.000 Vollzeitbeschäftigten in Mecklenburg-Vorpommern verdienen 223.000 so wenig, dass ihnen nach 45 Arbeitsjahren eine Rente auf Armutsniveau droht. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine schriftliche Frage des Linken-Bundestagsabgeordneten Dietmar Bartsch hervor.
Armutsschwelle bei 1445 Euro
Die Armutsgefährdungsschwelle liegt aktuell bei 1445 Euro. Um nach 45 Beitragsjahren eine Rente in dieser Höhe zu erhalten, müsste man im Jahr 2025 monatlich 3771 Euro brutto verdienen, was einem Jahresbrutto von 45.252 Euro entspricht. Knapp 61 Prozent der Vollzeitbeschäftigten in MV erreichen dieses Einkommensniveau nicht.
Bundesweit bleiben lediglich 44 Prozent der Ganztagsbeschäftigten unter dieser Einkommensschwelle, in Westdeutschland sind es 42 Prozent.
Bartsch fordert gleiche Löhne
„Dreieinhalb Jahrzehnte nach der Wende sind diese Lohnunterschiede zum Westen inakzeptabel“, sagte Dietmar Bartsch. „3771 Euro braucht es über 45 Jahre, um im Ruhestand eine Rente oberhalb der aktuellen Armutsschwelle zu erreichen. Bei uns im Norden schaffen das mehr als 60 Prozent nicht, im Westen sind es fast 20 Prozent weniger. Gleiche Arbeit im Osten muss genauso entlohnt werden wie im Westen.“
Bartsch kritisierte die Bundesregierung: „Dass die Bundesregierung dafür zu wenig tut, sondern mit ihrer Rentenreform die Axt an den Ruhestand nach 45 Jahren legt, sollten sich die Wähler bei uns nicht gefallen lassen.“
Auch aktuelle Rentenhöhe niedriger
Eine aktuelle Abfrage der Linken zur Rentenhöhe ergab: Rentner mit mindestens 45 Versicherungsjahren in MV erhielten Ende 2025 lediglich 1550 Euro Altersrente. Nur Thüringen (1530 Euro) und Sachsen-Anhalt (1545 Euro) lagen noch darunter. Der Bundesdurchschnitt betrug 1712 Euro, in Westdeutschland 1775 Euro.
Simone Oldenburg, Spitzenkandidatin der Linken zur Landtagswahl in MV, erklärte: „45 Jahre Arbeit in Vollzeit darf nie an der Schwelle zur Armut enden. Ob in der Schule oder bei der Arbeit: Leistung muss sich lohnen! Wenn aber sechs von zehn Arbeitnehmern bei uns im Land in Vollzeit so wenig verdienen, dass heute schon absehbar ist, dass im Alter Ebbe auf dem Konto herrscht, dann ist das ein leistungsfeindlicher Systemfehler, der demotiviert.“
Oldenburg forderte eine Landesregierung, die sich für eine Lohnoffensive einsetzt und im Bund darauf pocht, dass die Arbeitnehmer in MV mit dem Bundesdurchschnitt mithalten können.