Windeln und Sperrmüll: Schwerin kämpft mit Müll an Altkleidercontainern
Schwerin: Müll an Altkleidercontainern wird zum Problem

An mehreren Standorten in Schwerin stapeln sich derzeit blaue Säcke auf dem Gehweg, Kleidungsstücke liegen daneben, aus den Altkleidercontainern quellen Textilien. Dazwischen stehen Kartons und Gegenstände, die nichts mit einer Kleiderspende zu tun haben. Die Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen Schwerin (SDS) und die Schweriner Abfallentsorgungs- und Straßenreinigungsgesellschaft (SAS) stehen vor einer wachsenden Herausforderung.

Anstieg der Altkleidermengen

Seit Mai stehen die Altkleidercontainer in Schwerin unter neuer Regie. Zum 1. Mai übernahm die SAS zunächst die Standorte der Dobbertiner Werkstätten, einen Monat später die Behälter des DRK. Grund ist eine bundesweite Entwicklung: Die Altkleidersammlung ist für gemeinnützige Organisationen zunehmend unwirtschaftlich geworden. Wachsende Mengen treffen auf sinkende Qualität und fallende Erlöse. Mehrere Sammler zogen sich zurück, die SAS übernahm die vorhandenen Behälter.

SAS-Geschäftsführer Andreas Lange beschreibt den Effekt des Neustarts als „einen Knoten geplatzt“. Viele Schweriner hätten offenbar zu Hause gesammelte Textilien auf einmal zu den neuen Sammelstellen gebracht. Teilweise räumt die SAS einen Standort am Nachmittag auf – und am nächsten Vormittag liegen dort wieder Säcke und Textilien. Ein Mitarbeiter ist mit einem Fahrzeug den ganzen Tag nur für die Altkleidersammlung unterwegs.

Fehlwürfe und ihre Folgen

„Wir gehen auch davon aus, dass die Mengen in diesem Jahr deutlich höher sind als die, die in den letzten Jahren da gesammelt wurden“, sagt Lange. In Schwerin gibt es rund 60 klassische Altkleidercontainer, zusätzlich einen größeren Sammelbehälter auf dem Wertstoffhof. Nach Angaben von Lange bestehen teilweise zehn bis 20 Prozent des Inhalts aus Fehlwürfen – darunter Altglas, Metallteile und sogar benutzte Babywindeln. Auch Sperrmüll wird an den Stellplätzen abgeladen.

Falsch entsorgter Müll kann eigentlich brauchbare Kleidungsstücke verschmutzen. Was für den Secondhand-Bereich geeignet gewesen wäre, ist anschließend womöglich nicht mehr verwertbar. Die Fehlwürfe verursachen zusätzliche Kosten. „Die entstehenden Mehrkosten durch die Fehlnutzungen müssen durch die Abfallgebührenzahler aufgebracht werden. Und steigende Gebühren möchte keiner“, betont Lange. Die SAS bittet darum, Kleidung sauber und in verschlossenen Säcken einzuwerfen; Schuhe sollten paarweise zusammengebunden werden.

Fast Fashion und mögliche Standortschließungen

Lange sieht auch ein grundsätzliches Problem der Textilbranche: Immer mehr günstige Fast-Fashion-Kleidung landet nach kurzer Nutzung in der Sammlung. Die Mengen seien bundesweit stark gestiegen, die Qualität habe abgenommen. „Wenn nämlich das Angebot deutlich höher ist als die Nachfrage, dann fallen die Preise“, erklärt Lange. Die in Schwerin gesammelten Textilien werden in einer großen Sortieranlage nach Qualitäten getrennt; im besten Fall werden Kleidungsstücke erneut genutzt.

Wie es mit problematischen Sammelstellen weitergeht, soll sich in den kommenden Wochen zeigen. Die SAS will beobachten, welche Standorte häufiger geleert werden müssen. Möglich wäre, zusätzliche Behälter aufzustellen – oder einzelne Standorte ganz aufzugeben. Wo ein Standort immer wieder massiv vermüllt wird, könnten Anwohner ihre Kleidung künftig an einem anderen Standort oder auf dem Wertstoffhof abgeben.