Die AOK Nordost rechnet im Fall einer Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag mit einem deutlich höheren Krankenstand. Im schlechtesten Fall könnte der Wert um rund zehn Prozent steigen, teilte die größte Krankenkasse im Nordosten mit.
Krankenstand könnte auf 8,2 Prozent steigen
Im ersten Halbjahr lag der Krankenstand der AOK-Versicherten in Mecklenburg-Vorpommern bei 7,5 Prozent. Würde künftig bereits ab dem ersten Krankheitstag ein Attest verlangt, könnte der Wert auf 8,2 Prozent klettern. Das setzt voraus, dass alle Arbeitnehmer, die sich bisher bis zu drei Tage ohne Attest zu Hause auskurieren, künftig sofort einen Arzt aufsuchen und sich krankschreiben lassen.
Kassendaten mit Arbeitgeberdaten verglichen
Für die Schätzung verglich die AOK eigenen Angaben zufolge ihre Krankschreibungsstatistik mit Arbeitgeberdaten zu tatsächlichen krankheitsbedingten Fehlzeiten. Die ausgewerteten Daten stammen von Arbeitgebern, die erst ab dem vierten Krankheitstag ein Attest verlangen.
„Von den rund 100.000 ausgewerteten Fehltagen in den Betrieben entfielen rund 8.700 auf kurze krankheitsbedingte Fehlzeiten, für die kein Attest vorgelegt werden musste“, berichtete die AOK Nordost. Das bedeutet: Auf gut neun Fehltage mit Attest kam in der Auswertung ein weiterer Fehltag ohne Attest.
Langzeiterkrankungen nehmen zu
Die Leiterin des betrieblichen Gesundheitsmanagements bei der AOK Nordost, Anke Jurchen, erklärte: „Um den Krankenstand zu senken, wäre es aus unserer Sicht sinnvoller, Maßnahmen gegen Langzeiterkrankungen in den Blick zu nehmen.“ Deren Anteil an allen Fehltagen in Mecklenburg-Vorpommern sei weiter gestiegen. Rund 40 Prozent der bei der AOK registrierten Krankentage im Land gehen inzwischen auf Langzeiterkrankungen zurück. Als langzeitkrank gilt, wer mehr als 42 Tage krankgeschrieben ist.