Vergessenes DDR-Wandbild im Schweriner Schloss: QR-Code soll erinnern
DDR-Wandbild im Schloss: QR-Code erinnert

Im Schweriner Schloss verbirgt sich hinter einer Wand ein historisches Wandbild aus der Frühzeit der DDR. Ein Hinweisschild mit QR-Code soll künftig an das Kunstwerk „Neubauern“ von Georg Stapel erinnern.

Das Wandbild „Neubauern“

Das Wandbild zeigt links einen knienden Mann, rechts zwei Frauen und zwei Männer. Es stammt aus der allerersten Zeit der DDR, ein genaues Datum ist nicht bekannt. Kunsthistoriker Ralf Weingart erklärt: „Beim Einzug des Landtages 1949, das war Anfang September, gab es das noch gar nicht. Wir können eigentlich davon ausgehen, dass es da noch nicht existiert hat.“

Eine Veröffentlichung des Bildes aus dem Jahr 1950 in der Zeitschrift „Heute und Morgen“ belegt seine Existenz. Unter dem Foto steht: „Georg Stapel, 'Neubauern', Wandbild im Wandelgang des Landtages im Schweriner Schloss.“

Der Künstler Georg Stapel

Über das Leben von Georg Stapel gibt es nur wenige gesicherte Daten. Geboren 1903 in Berlin, absolvierte er eine Lehrerausbildung und unterrichtete in Westpreußen, unter anderem als Zeichenlehrer in Danzig. „Greifbarer wird er dann ab 1945 in Schwerin, da hat es ihn offensichtlich hin verschlagen und er fasst dann Fuß im Kulturamt und im Kulturbund“, so Weingart.

1951 wurde Stapel an das Institut für Kunsterziehung der Humboldt-Universität in Berlin berufen, 1956 wurde er Institutsdirektor und 1959 Professor. Er starb 1960.

Jahrzehntelang sichtbar, dann verdeckt

Das Wandbild war mehrere Jahrzehnte lang zu sehen, auch während das Schloss als pädagogische Schule zur Ausbildung von Kindergärtnerinnen diente. 1978 wurde bei Umbauarbeiten eine Wand davor gesetzt. „Da gab es auch noch eine Fotodokumentation und da ist das Bild in einwandfreiem Zustand“, berichtet Weingart. Danach geriet es in Vergessenheit.

Mit der Deutschen Einheit 1990 wurde das Schloss Sitz des Landtags von Mecklenburg-Vorpommern. Erst 2014, bei der Sanierung des alten Plenarsaals, kam das Kunstwerk wieder zum Vorschein – mit erheblichen Schäden. Landtagsdirektor Armin Tebben erinnert sich: „Wir haben uns seinerzeit dafür entschieden, das Ganze restauratorisch zu sichern. Das heißt also, es ist hinter einer Leichtbauwand noch so vorhanden, wie wir es damals vorgefunden haben.“

Keine Rekonstruktion, neuer Name

Das Bild wurde nicht rekonstruiert. Eine Wasserleitung wurde durch das Bild gelegt und blieb so. „Wir haben uns seinerzeit dagegen entschieden, es als Kunstobjekt in diesem Bereich wieder zu zeigen“, erläutert Tebben. Stattdessen entschied man sich für Günther Uecker, weshalb der Bereich heute Uecker-Lobby heißt.

Das Bild von Stapel geriet erneut in Vergessenheit. „Wir haben dieses Thema lange Zeit einfach nicht mehr betrachtet, weil wir andere Schwerpunkte hatten“, sagt Tebben. „Diese Anfrage ist für mich jetzt Anlass, es nochmal zu betrachten. Ich werde das mit meinen Fachleuten nochmal besprechen.“ Es spreche nichts gegen einen Hinweis auf das Kunstwerk.

Bedeutung des Werks

Für Stapel ist das Wandbild das überragende Werk seines Lebens, so Weingart, der das Schlossmuseum rund 21 Jahre bis zum Frühjahr 2026 leitete. Auch zeitgeschichtlich und kunsthistorisch sei es sehr bedeutsam. Künftig soll in der Uecker-Lobby mit einem Foto, Fakten und QR-Code auf das verdeckte Wandbild verwiesen werden.