Zum Drogentotengedenktag betont die Suchtberaterin Lea Paulmann von der Drogenberatung Lehrte die Bedeutung von früher Aufklärung und Zuhören im Umgang mit Suchterkrankungen im Umfeld. Im Interview mit NDR Niedersachsen erklärte sie, wie Eltern, Lehrkräfte und andere Bezugspersonen Kinder und Jugendliche vor Drogen schützen können – und wie wichtig Selbstschutz für Angehörige ist.
Erkennen einer Suchterkrankung
Laut Paulmann ist es schwer, eine Sucht zu erkennen, da viele Menschen jahrelang unauffällig mit ihrer Abhängigkeit leben. Auffällig werde es meist erst bei Ausfällen. Bei harten Drogen sei der Konsum schneller bemerkbar, da die Beschaffung mehr Zeit und Geld erfordere und oft in bestimmten Milieus stattfinde.
Prävention durch Aufklärung
Paulmann sieht einen wichtigen Ansatz in der Prävention bei jungen Menschen. Eltern, Lehrkräfte und Sporttrainer sollten sich mit den Substanzen und Risiken beschäftigen, anstatt nur zu verteufeln. Frühzeitiges Hinsehen und Ansprechen bei Auffälligkeiten wie ständiger Müdigkeit oder Unpünktlichkeit könne helfen, eine Abhängigkeit zu vermeiden.
Richtiges Vorgehen bei Verdacht
Die Beraterin rät, bei Verdacht auf eine Abhängigkeit zunächst eine vertrauensvolle Person zu suchen, die zuhört und nicht wertet. Ein niedrigschwelliges Informationsgespräch bei einer Beratungsstelle könne der erste Schritt sein. Lehnt der Betroffene Hilfe ab, sei Akzeptanz wichtig – Druck von außen funktioniere nicht. Man solle die Person nicht fallen lassen, aber die eigene Grenze zum Selbstschutz wahren.
Selbstschutz für Angehörige
Paulmann empfiehlt Angehörigen, sich professionelle Hilfe zu suchen, etwa bei Beratungsstellen oder Elterninitiativen in Niedersachsen. Der Austausch mit anderen Betroffenen sei wichtig, um das Gefühl der Isolation und Scham zu überwinden.