Das Geburtshaus von Adolf Hitler in Braunau am Inn ist nach einem Umbau für 20 Millionen Euro als Polizeistation eröffnet worden. Die Umgestaltung soll den Ort für Neonazis unattraktiv machen. Architektonisch erinnert kaum mehr etwas an das Geburtshaus des Diktators.
Neue Nutzung als Polizeiwache
Rund 50 Beamte der Polizeiinspektion und des Bezirkspolizeikommandos werden hier Dienst tun. Bezirkspolizeikommandant Stefan Haslberger sagte: „Wer sich vor dem Haus rumtreibt und verdächtig wirkt, wird von uns kontrolliert und angesprochen.“ Das Gebäude ist videoüberwacht, sodass niemand sicher sein kann, nicht von Kameras erfasst zu werden.
Hintergrund des Umbaus
Hitler wurde am 20. April 1889 in dem Gebäude geboren, seine Familie zog jedoch nach wenigen Monaten um. Das Areal umfasst rund 3.000 Quadratmeter und war lange in Privatbesitz. Bis 2011 war dort unter anderem eine Behindertenwerkstätte untergebracht. Nach einem Rechtsstreit wurde das Areal 2017 enteignet. Eine Experten-Kommission sprach sich gegen einen Abriss und gegen ein Museum aus, sondern für eine Umgestaltung ohne hohen Wiedererkennungswert. Aus Furcht vor NS-Devotionalien-Sammlern wurde der Bauschutt vor Ort geschreddert und mit anderem Material vermischt. „Der Schutt wurde an einem unbekannten Ort gelagert“, so Chefhistoriker Stephan Mlczoch.
Anziehungskraft für Neonazis
Der Geburtsort lockte immer wieder rechtsextreme Gruppen an. Am 20. April 2024 legten zwei deutsche Pärchen Blumen in Fensternischen ab, posierten für Fotos und eine Frau soll den Hitlergruß gezeigt haben. Ein 57-Jähriger aus Berlin legte 2021 einen Kranz vor dem Haus nieder. Die Behörden sehen das Problem weniger in offenkundigen Vorfällen, sondern in unerkannten Neonazis, die zu dem Ort pilgerten.
Kritik an der Lösung
Einige Experten hätten sich eine offensive Auseinandersetzung mit der Nazi-Vergangenheit gewünscht. Historiker Florian Kotanko, Vorsitzender des Vereins für Zeitgeschichte Braunau, fordert zumindest eine mehrsprachige Info-Tafel zur Aufklärung. „Das wäre das Mindeste“, sagte er. Ein 1989 aufgestellter Gedenkstein aus dem Steinbruch des KZ Mauthausen erinnert an den Terror der Nazi-Jahre mit der Inschrift: „Für Frieden Freiheit und Demokratie – Nie wieder Faschismus – Millionen Tote mahnen“.
Umgang mit Nazi-Erbe andernorts
Nürnberg gilt als gelungenes Beispiel: Im Dokumentationszentrum wird NS-Architektur nicht verherrlicht, sondern eingeordnet. Rund 300.000 Menschen informieren sich dort jährlich über die NS-Vergangenheit. Auch Hitlers Neun-Zimmer-Wohnung am Prinzregentenplatz in München wird seit Jahrzehnten als Polizeiwache genutzt.
Bürgermeister Johannes Waidbacher räumte ein: „Wir werden sicher keine Lösung finden, die 100 Prozent Zustimmung findet.“ Eine 66-jährige Frau, die ihren Namen nicht nennen wollte, meinte: „Aus meiner Sicht passt das jetzt so. Die Neugierigen werden zu Hitlers Geburtstag aber immer noch kommen.“