Der Landeselternrat und der Landesschülerrat Niedersachsen fordern eine unabhängige Meldestelle für Fehlverhalten von Beschäftigten an Schulen. Schüler und Eltern sollen dort Grenzüberschreitungen wie verbale Übergriffe, psychische oder körperliche Gewalt sowie sexuellen Missbrauch vertraulich melden können.
Ergänzung zu bestehenden Beschwerdewegen
Die Verbände betonen, es gehe nicht um pauschale Kritik an Lehrkräften. „Wir haben großen Respekt vor deren Professionalität“, sagte Christine Winter vom Landeselternrat dem NDR Niedersachsen. Die neue Meldestelle sei als Ergänzung zu vorhandenen Beschwerdewegen gedacht, etwa den Vertrauenslehrkräften. Denny Gallatowitsch vom Landesschülerrat erklärte: „Vertrauenslehrkräfte gehören selbst zum Kollegium.“ Das könne abschreckend wirken.
Meldestelle außerhalb der Schulhierarchie
Die geforderte Stelle müsse außerhalb der Schulhierarchie liegen, so Gallatowitsch. „Eine Lehrkraft entscheidet über die Zukunft eines Schülers. Bei einer Meldung an den Vertrauenslehrer oder einer Dienstaufsichtsbeschwerde wird das Problem schulintern behandelt. Einige Schüler haben dann Angst vor Repressalien.“ Wichtig sei eine niedrigschwellige Beschwerdemöglichkeit, etwa per Telefon oder E-Mail.
Ministerium sieht Teile der Forderung erfüllt
Das niedersächsische Kultusministerium sieht wesentliche Teile der Forderung bereits erfüllt. Bei den Regionalen Landesämtern für Schule und Bildung gebe es unabhängige Anlauf- und Antidiskriminierungsstellen, hieß es auf Anfrage des NDR. Diese seien telefonisch oder per E-Mail vertraulich und auf Wunsch anonym erreichbar. Psychologinnen und Psychologen böten dort kostenlose Beratung an.