Der naturbelassene Weg zwischen Zippendorf und Mueß am Schweriner See soll asphaltiert werden. Dagegen regt sich Widerstand: Die Ortsteilvertretung Zippendorf fühlt sich von der Stadt übergangen und fordert den Stopp des Vorhabens. Ein Gespräch mit Oberbürgermeister Sebastian Ehlers (CDU) ist für den 26. August geplant.
Kritik an fehlender Mitsprache
Der Weg zwischen Zippendorf und Mueß gilt vielen als eines der stillen Stücke Schwerins – gerade weil er nicht geschniegelt ist. Jetzt soll er asphaltiert werden, und genau daran entzündet sich ein Konflikt, der weit über die Frage des Wegbelags hinausgeht. In Zippendorf wächst der Eindruck, dass der Stadtteil bei dem umstrittenen Vorhaben nur noch informiert, aber nicht mehr gehört wird.
„Uns wurde das Projekt Ende Juni durch den städtischen Betrieb SDS vorgestellt und als beschlossene Sache dargestellt. Da fragen wir uns: Welche Rolle spielen wir?“, sagt Thilo Kreimer, Vorsitzender der Ortsteilvertretung Zippendorf.
Ausbaupläne und Kosten
Nach Angaben der Stadt ist der Ausbau eines 1035 Meter langen Abschnitts des Residenzstädte-Radwegs zwischen Mueß und Zippendorf geplant. Baubeginn soll im Oktober sein, die Fertigstellung noch in diesem Jahr. Die Kosten schätzt die Stadt auf 767.000 Euro, 90 Prozent davon sollen aus Fördermitteln kommen.
Kreimer kritisiert, dass bei der Vorstellung zwar die hohe Förderquote genannt wurde, eine konkrete Kostenaufstellung aber fehlte. „Wir fragen uns, woher kommen die verbleibenden zehn Prozent, wenn die Haushaltslage der Stadt Schwerin mehr als angespannt ist“, sagt er. Auch Peter J. Harke, der als Bürger den Umgang der Stadt scharf kritisiert, fragt: „Es wird ein Projekt durchgesetzt, gegen das sich die Ortsteilvertretung ausgesprochen hat. Wo bleibt hier die Mitbestimmung?“
Zweifel an Bauweise und Naturschutz
Kreimer und Harke zweifeln zudem den Sinn der geplanten Bauweise an. Eine Asphaltschicht auf Waldboden halten sie für fragwürdig, auch naturschutzfachliche Belange sehen sie nicht ausreichend berücksichtigt. Kreimer hat den Protest in einem Brief an Oberbürgermeister Sebastian Ehlers und die zuständigen Fachbereiche bekräftigt und verweist auf ein Schreiben vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), dessen Argumente die Ortsteilvertretung unterstützt.
Besonders heikel ist die Finanzierung: Trotz Förderung bleibe ein Eigenanteil von rund 80.000 Euro, der aus der klammen Stadtkasse finanziert werden müsse. Auch die Folgekosten für Pflege und Instandhaltung seien offen. Kreimer schreibt unmissverständlich: „Ich fordere im Namen der Ortsteilvertretung Zippendorf den Abbruch beziehungsweise die Nichtaufnahme des sinnfreien Vorhabens.“
Weg soll naturbelassen bleiben
Harke und Kreimer wollen, dass der Abschnitt naturbelassen bleibt. Selbst die Pfützen bei schlechtem Wetter halten sie nicht für ein überzeugendes Argument: „Die bei schlechten Witterungsverhältnissen vorhandenen Pfützen lassen sich umgehen oder mit dem Rad umfahren“, betonen beide.
Die Stadt Schwerin weist die Kritik zurück. Das Vorhaben beruhe auf einem Beschluss der Stadtvertretung aus dem Jahr 2015 und sei Teil einer langfristigen Entwicklung des Rad- und Wegenetzes. Die Asphaltbauweise sei aus naturschutzfachlicher Sicht die schonendste Lösung, weil kein aufwendiger Unterbau nötig sei und Eingriffe in Boden und Wurzelraum begrenzt werden könnten, teilt eine Sprecherin mit.
Gespräch am 26. August
Im Ortsteil überzeugt das bislang kaum. Aus dem Streit um einen Weg ist längst ein Streit um Vertrauen geworden. Die nächste Gelegenheit zur direkten Aussprache gibt es am 26. August um 18 Uhr in der „Strandperle“ in Zippendorf. Dann tagt die Ortsteilvertretung mit Oberbürgermeister Sebastian Ehlers als Gast.