Nach dem Aus für das milliardenschwere Fregattenprojekt F126 wächst in Wolgast die Sorge um die Zukunft der Peene-Werft. Rund 400 Beschäftigte der Werft selbst sind betroffen, doch tatsächlich hängen weit mehr Arbeitsplätze an dem Unternehmen. Täglich sind mit Auftragnehmern, Monteuren und anderen Beschäftigten bis zu 800 Menschen auf dem Gelände. Hinzu kommen Zulieferer, Handwerker und Dienstleister.
Stahlsektionen als Symbol der Unsicherheit
Die großen Stahlsektionen, die eigentlich Teil der ersten neuen Fregatte „Niedersachsen“ werden sollten, lagern nun draußen auf dem Werftgelände. Betriebsratschef René Quade nennt den Platz mit Galgenhumor den „Garten“ der Werft. Dort werde das bereits gefertigte Stück „eingemummelt“, bis entschieden sei, was damit geschieht.
Im Juni war das Aus für das Rüstungsprojekt bekanntgeworden. Das niederländische Unternehmen Damen Schelde Naval Shipbuilding (DSNS) habe zeitliche und finanzielle Rahmenbedingungen nicht einhalten können, so das Verteidigungsministerium. Die erste Fregatte hätte Mitte 2028 geliefert werden sollen, die folgenden fünf Schiffe bis 2033. Stattdessen soll der Kieler Marineschiffbauer TKMS die erste Fregatte vom Typ Meko A-200 DEU 2029 ausliefern.
Auftragslücke droht ab Mitte 2027
Noch ist die Peene-Werft ausgelastet. Sie arbeitet unter anderem am dritten Flottendienstboot der Deutschen Marine und hat Reparaturaufträge. Nach Angaben von Betriebsrat und IG Metall reicht die Arbeit bis etwa Mitte 2027. Danach wird es kritisch. „Noch haben wir Arbeit, aber ab Mitte 27 wird uns die Kälte, die uns im Juni erwischt hat, dann einholen“, sagt Quade.
Frank Prenzlau, Geschäftsführer der IG Metall Stralsund-Neubrandenburg, bezeichnet die Lage als „durchaus kritisch“. Durch das F126-Aus sei eine Auftragslücke entstanden, „die dringend geschlossen werden muss“. Neue Schiffbauprojekte benötigten Vorlauf. Sollte kein Anschlussauftrag kommen, droht massive Unterauslastung.
Rheinmetall will Kapazitäten nutzen
Rheinmetall, der neue Eigentümer der Peene-Werft, bestätigt die schwierige Perspektive. „So geht durch diese Entscheidung beispielsweise unser Wolgaster Standort in 2027 in die Unterauslast“, erklärt Oliver Grün, Sprecher der Division Naval Systems. Doch dann folgt der entscheidende Satz: „Wir gehen aber davon aus, dass wir die nun frei werdenden Kapazitäten auf der Peene-Werft kurzfristig für andere Neubauprogramme der Deutschen Marine nutzen und damit Auslastung über das Jahr 2027 hinaus sicherstellen werden.“ Welche Programme das sein könnten, lässt Rheinmetall offen.
Eine Möglichkeit sind die neuen Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU. TKMS hat einen Vertrag über vier Schiffe geschlossen, mit Option auf vier weitere. „Die Ankündigung im ersten Schritt vier Schiffe zu beschaffen und optional um vier weitere zu erweitern, öffnet die Perspektive die deutsche Werftenindustrie einzubinden“, sagte TKMS-Chef Oliver Burkhard im Juni. „Wir sind offen für Gespräche mit unseren Industriepartnern.“ TKMS-Sprecher Nils Beyer erklärt: „Hierzu führen wir derzeit Gespräche mit Industriepartnern und warten auf ein konkretes Angebot.“ Ob die Peene-Werft eingebunden werde, sei noch nicht entschieden.
Zeit drängt für Anschlussauftrag
Die IG Metall nennt auch ein mögliches viertes Flottendienstboot als Chance. „Darauf ruhen unsere Hoffnungen“, sagt Prenzlau. Er fordert Bundesregierung, Landesregierung und Unternehmen zum Handeln auf. „Es gibt ja genug Aufträge für die Werften“, sagt Prenzlau. Sie müssten sinnvoll auf die Standorte verteilt werden.
Noch gibt es keinen unterschriebenen Anschlussauftrag. Keine MEKO-Sektion ist fest für Wolgast bestellt, auch ein viertes Flottendienstboot ist nur eine Möglichkeit. Doch erstmals seit dem F126-Aus gibt es konkrete Hoffnung: Rheinmetall will andere Marineprogramme nach Wolgast holen. TKMS bestätigt Gespräche mit Industriepartnern. Für die Menschen in Wolgast bleibt die Frage: Was wird in den Hallen gebaut, wenn Mitte 2027 die bisherige Arbeit ausgeht?