Viertel Tonne Koks auf Segelboot: Prozess mit Polizeischutz
Viertel Tonne Koks auf Segelboot: Prozess mit Polizeischutz

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen hat am Landgericht Rostock der Prozess gegen einen Mann und eine Frau begonnen, die mehr als eine viertel Tonne Kokain per Segeljacht aus Kolumbien nach Europa gebracht haben sollen. Beide Angeklagten seien „hochgefährdet“, sagte Olrik Popiolek von der Staatsanwaltschaft Rostock.

Hohe Sicherheitsvorkehrungen im Gericht

Auf den Fluren des Gerichts waren am Mittwoch maskierte Polizisten unterwegs, teils mit Helmen und Maschinenpistolen. Bevor die Angeklagten in den Gerichtssaal geführt wurden, betraten maskierte und bewaffnete Polizisten den Saal und verteilten sich. Zumindest beim Angeklagten war eine Schutzweste sichtbar.

Medienvertreter wurden penibel kontrolliert, ebenso ihre Taschen. Die Angeklagten dürfen laut Gericht nicht fotografiert oder gefilmt werden, auch nicht – wie sonst üblich – vor Beginn der Verhandlung und so, dass sie nicht erkennbar sind. Die Vorkehrungen sollen die Angeklagten schützen.

Vorwurf: Kokain-Schmuggel aus Kolumbien

Der 59-Jährige und die 67-Jährige aus dem Landkreis Rostock sollen laut Anklage im Sommer vergangenen Jahres mit rund 264 Kilogramm Kokain an Bord von Kolumbien aus in Richtung Europa aufgebrochen sein. Nach gut einem Monat seien sie von portugiesischen Ermittlern in der Nähe der Azoren gestoppt und durchsucht worden. Dabei wurde das Rauschgift laut Anklage sichergestellt. Beide befinden sich in Untersuchungshaft.

Den Marktwert der Drogen bezifferte Popiolek mit etwa 15 Millionen Euro. Das sei aber ein eher theoretischer Wert, der sich aus dem Straßenwert errechne. Bei einer derartig großen Menge gebe es allerdings mehrere Zwischenschritte beim Verkauf. Es handele sich um eine der größten Drogenmengen, die in Mecklenburg-Vorpommern Gegenstand einer Gerichtsverhandlung geworden ist.

Verteidigung kündigt Aussage an

Zum Prozessauftakt wurde vor allem die Anklage verlesen. Die Angeklagten nutzten nicht die Gelegenheit, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Ihre Anwälte sagten aber, dass dies im Laufe der Verhandlung noch erfolgen könne. Nach Aussage Popioleks hat sich der Angeklagte Ermittlern gegenüber bereits geständig gezeigt.

Bis Mitte Oktober sind etwa ein Dutzend weitere Verhandlungstage angesetzt. Der Strafrahmen umfasst laut Gericht im Falle einer Verurteilung eine Freiheitsstrafe von 1 bis 15 Jahren.