Der 25-jährige Student Jan van den Bosch tritt bei der Landtagswahl am 20. September als Direktkandidat der Grünen im Wahlkreis 29 an. Obwohl er in Greifswald lebt und dort studiert, verbindet ihn viel mit der Region. In den Sommermonaten ist er häufig an der Ostsee unterwegs, macht Fahrradtouren und hat Freunde und Bekannte im ländlichen Raum. Dadurch kennt er die Probleme vor Ort.
Mobilität als zentrales Thema im ländlichen Raum
Im Wahlkampf spielen vor allem Mobilität, Kultur, Bildung, Jugend und Energie eine Rolle. Besonders die Mobilität ist im ländlichen Raum ein großes Problem. Der Nahverkehr funktioniere teilweise ordentlich, aber es gibt Buslinien, die nicht gut fahren. Jugendliche sind oft auf ihre Eltern angewiesen, die sie mit dem Auto fahren. Wenn abends oder am Wochenende etwas stattfindet, gibt es kaum Möglichkeiten, selbstständig hin- und zurückzukommen.
Die Verantwortung liege nicht allein bei den Kommunen, sagt van den Bosch. Das Land müsse stärker unterstützen, gerade bei der gezielten Förderung. Derzeit gebe es einen Flickenteppich, besonders über Kreisgrenzen hinweg seien Busverbindungen wenig abgestimmt. Die Idee der Grünen ist eine landeseigene Verkehrsgesellschaft, die dort einspringen könnte, wo private Anbieter Lücken lassen.
Finanzielle Entlastung und einfachere Verfahren
Viele Kommunen sind finanziell überlastet. Van den Bosch fordert, dass Mittel des Bundes konsequent weitergereicht werden. Zudem seien die vielen Fördertöpfe und komplizierten Antragsverfahren ein Problem. Kleinere Kommunen hätten oft nicht das Personal, um für jeden Fördertopf einen Antrag zu stellen. Die Fördermittel müssten gebündelt und die Verfahren transparenter und einfacher werden.
Auch bei den Ausgaben müsse genauer geschaut werden. Bei Genehmigungsverfahren gebe es unnötige Doppelprüfungen, die Arbeitskraft und Geld kosten. Es gehe nicht darum, jede Kontrolle abzuschaffen, sondern sinnvolle Prüfungen zu behalten und unnötige Doppelstrukturen zu vermeiden. Gerade bei erneuerbaren Energien seien die Verfahren oft sehr lang.
Akzeptanz für erneuerbare Energien erhöhen
Den weiteren Ausbau von Windkraft und Solar begrüßt van den Bosch grundsätzlich. Die Abhängigkeit von Gas und Öl habe man Anfang des Jahres gesehen. Wenn Wind und Sonne vor Ort genutzt werden können, mache das energiepolitisch unabhängiger. Gleichzeitig müsse man die Belastungen für Anwohner ernst nehmen.
Um die Akzeptanz zu erhöhen, schlägt er vor, Gemeinden direkt an den Erträgen der Anlagen zu beteiligen. Anwohner könnten über geringere Netzentgelte profitieren. Zwar werde diese Frage teilweise auf Bundesebene entschieden, aber über den Bundesrat gebe es Einflussmöglichkeiten.
Unterstützung für Feuerwehr und Ehrenamt
Die Feuerwehr ist für van den Bosch absolute Daseinsvorsorge. Die finanzielle Unterstützung dürfe nicht zurückgefahren werden. Allerdings könne man überlegen, ob jede Kommune dieselbe Förderung braucht. Finanziell gut dastehende Kommunen könnten einen größeren Eigenanteil übernehmen, bei leeren Kassen müsse das Land stärker unterstützen.
Ein größeres Problem sei das Ehrenamt. Immer weniger Menschen wollten sich engagieren. Die Ehrenamtskarte MV sei ein Beispiel für Anerkennung, solche Angebote müssten weiterentwickelt werden.
Die Stimmung im Wahlkampf erlebt van den Bosch überwiegend positiv. Beim Wahlkampfstand in Lubmin gab es vereinzelt deutliche Ablehnung und Beschimpfungen. Insgesamt sei die Offenheit größer als bei der letzten Bundestagswahl. Die Menschen kämen ins Gespräch und erzählten, was sie beschäftigt.
Konkrete Projekte und Ziele
Van den Bosch nennt drei Projekte, die er im Fall einer Wahl angehen möchte: die landeseigene Verkehrsgesellschaft, den Ausbau und die Sanierung von Radwegen wie dem Ostseeküsten-Radweg sowie mehr Jugend- und Kulturangebote im ländlichen Raum. Junge Menschen sollten nicht das Gefühl haben, abgehängt zu sein. Bei einem Austausch mit Schülern habe er deutlich gemerkt, welche Probleme junge Menschen sehen. Sie müssten nicht zwingend nach der Schule in eine größere Stadt ziehen.
Die aktuellen Umfragen sehen die Grünen bei etwa fünf Prozent. Van den Bosch wertet das positiv und will den Aufwärts-Trend fortsetzen. Ziel sei es, die Grünen im Land zu etablieren und demokratische Mehrheiten zu ermöglichen.
Am Mittwoch, dem 2. September, stellen sich alle Kandidaten um das Direktmandat im Wahlkreis 29 den Fragen des Publikums im Friedenszentrum im ehemaligen Wehrmachtgefängnis in der Friedländer Landstraße 3a in Anklam. Beginn ist um 18 Uhr. Organisiert wird die Veranstaltung in Kooperation mit dem Nordkurier, dem Regionalzentrum für demokratische Kultur Vorpommern-Greifswald und der Hansestadt Anklam.