Die beiden Brände im Kulturspeicher Ueckermünde sind lange gelöscht. Statt der Feuerwehrleute wirbeln jetzt Zimmerleute im ausgebrannten Gebäudeflügel an der Ueckermünder Wallstraße. Sie trennen zwischen dem, was das Feuer Anfang Juni übrig gelassen hat, und dem, was die Flammen verkohlt oder gänzlich in Asche verwandelt haben.
Verkohlte Balken herausgeschnitten
Die Handwerker schneiden verkohlte Balken aus dem Dachstuhl, räumen den Schutt weg. Die dicken Hölzer und die anderen Brandreste kommen in Container, die unterhalb des Speichers aufgestellt worden sind. Die Bauleute sichern zudem die Lehmziegel, die hinter dem Ziegelmauerwerk verbaut waren. Das Planungsbüro DH-Ingenieure aus Ueckermünde schätzt ein, dass sie beim Wiederaufbau genutzt werden können.
Dass der historische Speicher sich in diesem bedauernswerten Zustand befindet, liegt an den beiden Feuern, die am 6. und 7. Juni im Kulturspeicher loderten. 48 Feuerwehrleute aus Ueckermünde und dem Umland kämpften gegen die Flammen und konnten am Ende ein Übergreifen auf den größeren Gebäudeteil an der Bergstraße verhindern.
Brandursache und Brandwache
Der erste Brand begann in der Töpferwerkstatt im Erdgeschoss. Silvio Wolff tritt nochmals Gerüchten in der Stadt entgegen, wonach der Töpferofen in der Nacht in Betrieb gewesen sein soll. „Der Ofen ist nicht an gewesen“, betont das Mitglied des Kulturspeichervereins. Stattdessen sei der Brand durch einen technischen Defekt, wahrscheinlich im Sicherungskasten, entstanden. So hätten es die beiden Brandursachenermittler von Polizei und Versicherung eingeschätzt.
Die Fachleute hätten auch deutlich gemacht, dass die Feuerwehr keinen Fehler gemacht habe. Denn im Stadtgespräch wird immer wieder gefragt, warum nach dem ersten Feuer keine Brandwache gestellt wurde. Die Kameraden unternahmen vor dem Abrücken immer wieder Kontrollgänge mit einer hochauflösenden Wärmebildkamera und fanden keine Glutnester.
Schäden auch ohne Feuer
Mit den Aufräumarbeiten wird auch der Blick in den einstigen Töpfereiraum möglich. Es zeigt sich ein Bild der Verwüstung mit Schutt und verkohltem Holz. Im Eingang zur Ferienwohnung wurden Stützen unter die Balken gestellt. Doch auch in Räumen, in denen es gar nicht gebrannt hat, sind Schäden zu verzeichnen. Silvio Wolff zeigt den leer geräumten Regionalladen an der Bergstraße, in dem aufgeweichter Lehm von der Decke tropfte.
Im Veranstaltungsraum und in der Galerie unter dem Dach mussten die Dielen und der Fußbodenaufbau zwischen den Balken entfernt werden, berichtet er. Hier sei Löschwasser über den Boden gelaufen und in den Fußboden eingedrungen. „Die Dämmung unter den Dielen war nass“, sagt Wolff. Auf der darunter liegenden Folie habe das Wasser gestanden.
Wiederaufbau und Verkehr
Das erste Ziel des Vereins sei es, den Veranstaltungsraum so schnell wie möglich wieder in Betrieb zu nehmen. Bis zum Weihnachtsfest sei das aber nicht zu schaffen, so Silvio Wolff. Daneben würden die Arbeiten im hinteren Teil des Gebäudes weiterlaufen. Der Verein sei den Handwerksbetrieben sehr dankbar, dass sie Aufträge nach hinten schoben, um dem Speicherverein in dieser Situation zu helfen. Denn die Auftragsbücher der Firmen seien voll. Wolff dankt auch der Firma Hafftrans, dem EGN-Baumarkt und dem Planungsbüro für die unkomplizierte Unterstützung.
Wie lange der Wiederaufbau des ausgebrannten Gebäudeteils andauern wird, dazu wagen Wolff und das Planungsbüro noch keine Prognosen. Klar ist nur, dass die Wallstraße noch für einige Tage für den Verkehr gesperrt bleiben muss. Dort stehen aktuell die Container für die Entsorgung. Silvio Wolff geht davon aus, dass die Sicherungsarbeiten in etwa zwei Wochen so weit abgeschlossen sein werden, dass das breite Spezialgerüst zur Gebäudesicherung an der Wallstraße entfernt werden kann. Dann werde nur ein normales Gerüst stehen bleiben. Der Verkehr könne dann wieder rollen.
Schadenshöhe und Versicherung
Ob der Brandschaden eine Million Euro, wie in ersten Schätzungen der Polizei, betragen oder noch höher ausfallen wird, das könne noch niemand sagen. Eine Einschätzung würden erst die Gutachter geben, die den Kulturspeicher nach den Sicherungsmaßnahmen genau untersuchen.
Silvio Wolff bestätigt indessen Aussagen aus der Stadtvertretung, wonach für den Speicher möglicherweise keine ausreichende Gebäudeversicherung besteht. Das müsse die Versicherung am Ende einschätzen. Auch in der Geschäftsversicherung sei nicht alles mitversichert, darunter die Veranstaltungstechnik.
Spendenbereitschaft
Der Verein sei äußerst dankbar für die große Spendenbereitschaft. Mittlerweile seien rund 60.000 Euro zusammengekommen, damit der Verein seine laufenden Kosten begleichen kann - sei es durch Benefizkonzerte, Kuchenschlemmen, die GoFundMe-Aktion im Internet oder auch die 10.000 Euro von der Stadt. Erstaunt sei Wolff gewesen, als vor einigen Tagen sogar am Schloss Sophienhof bei Ducherow eine Spendendose für den Kulturspeicher aufgestellt war. Das mache Mut.