IHK Neubrandenburg: Externer Ermittler prüft Azubi-Vorwürfe gegen Präsidenten
Externer Ermittler: IHK prüft Azubi-Vorwürfe gegen Präsidenten

Die Industrie- und Handelskammer Neubrandenburg (IHK) lässt gegen ihren eigenen Präsidenten ermitteln. Nach bekannt gewordenen Ausbeutungs-Vorwürfen eines Azubis gegen Unternehmer Krister Hennige, der auf der Insel Usedom Hotels betreibt, will die Kammer „eine externe, unabhängige Stelle zusätzlich beauftragen“, um den Fall zu prüfen. Dies ist das Ergebnis einer Sondersitzung des IHK-Präsidiums am Mittwoch.

Präsidium übt Kritik und geht auf Distanz

Nach Nordkurier-Informationen gab es im Präsidium erhebliche Kritik am Agieren Henniges. Die Mehrheit der Mitglieder soll auf Distanz zum Präsidenten gegangen sein. Vom Wirtschaftsministerium wolle man sich nun einen neutralen Prüfer benennen lassen. Die Lage sei ernster als zunächst angenommen, ist zu hören. Offiziell heißt es: Die Kammer äußere sich derzeit nicht weiter zu den Vorwürfen. „Der Schutz der Auszubildenden hat für die IHK immer höchste Priorität“, so ein Sprecher.

Schwere Vorwürfe in TV-Beitrag

In einem TV-Beitrag waren schwere Vorwürfe gegen Henniges Unternehmen erhoben worden. Ein junger Indonesier, der Koch werden will, erklärte, dass er im Hotel als „Fachkraft Küche“ ausgebildet, aber vor allem für Hilfsarbeiten eingesetzt worden sei. Längere Zeit lang habe er keine Berufsschule besucht. Auch soll Hennige mit Azubis vertraglich vereinbart haben, im Falle eines vorzeitigen Abbruchs eine Rückzahlung fordern zu können.

Krister Hennige wies die Vorwürfe zum Teil scharf zurück. Der Azubi sei zur „Fachkraft Küche“ ausgebildet worden. Dazu gehörten Aufgaben wie Warenannahme, Vorbereitung und Reinigung. Es habe auch eine Anmeldung zur Berufsschule gegeben. Mit der Vereinbarung einer möglichen Rückzahlung habe er wirtschaftlichen Schaden vom Unternehmen abwenden wollen. Dabei handele es sich um ein „Kautionsmodell“, das man „früher“ für Azubis aus dem Ausland genutzt habe. Heißt: Es wurde für die Zeit der Ausbildung Lohn einbehalten. Hennige: „Nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung wäre die Kaution vollständig zurückgezahlt worden.“ Ein Sprecher der IHK sagte dazu: Der Vertrag sei „nicht zulässig“.

Gewerkschaft: Das schadet der gesamten Region

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in MV zeigt sich erschüttert über die schweren Vorwürfe. „Ein IHK-Präsident, der den Staat und die Beschäftigten so hintergeht, schadet der gesamten Region“, kritisiert NGG-Landesgeschäftsführer Jörg Dahms. Wenn ein Azubi monatelang vor dem eigentlichen Ausbildungs- und Berufsschulbeginn im Betrieb mit einfachen Tätigkeiten eingesetzt werde, handele es sich um ein reguläres Arbeitsverhältnis bzw. Hilfstätigkeiten. Wenn dafür lediglich die Ausbildungsvergütung statt des gesetzlichen Mindestlohns gezahlt werde, werde damit das Berufsbildungsgesetz ausgehebelt. „Das ist aus unserer Sicht ein klarer Mindestlohnverstoß“, so Dahms.

Der NGG-Landeschef sah auch die Rolle der IHK Neubrandenburg kritisch, die ihre Aufsichts- und Prüfpflicht aus Sicht der Gewerkschaft verletzt habe, indem sie einen solchen Vertrag mit rechtswidrigen Vorschalt-Klauseln zunächst akzeptiert habe. Zudem sah Dahms in dem jetzt bekannt gewordenen Vorgehen des Hoteliers einen Fall, der dringend vom Hauptzollamt und anderen Behörden kontrolliert werden müsste.

Der Fall hat für großen Wirbel in MV gesorgt. Die Spitzen der Kammern Rostock und Schwerin forderten in einem Brandbrief umfassende Aufklärung und legten Hennige nahe, sein Amt als IHK-Präsident niederzulegen. Laut IHK Neubrandenburg bleibt Hennige im Amt.