Hitzestress auf Apfelplantagen: Landwirte in MV kämpfen mit Sonnenbrand
Hitzestress auf Apfelplantagen: Landwirte kämpfen

Hitze auf den Feldern hinterlässt Spuren und bedeutet Mehrarbeit für Landwirt Jakob Oestreicher aus Boddin. Mit dem Infrarotthermometer prüft er, wann es kritisch wird. Denn den Äpfeln droht Sonnenbrand. „Aber hier kann man eben sehen, die richtig dunkle Verfärbung ist hier außen. Hier geht der Sonnenbrand leicht los und hier ist es verbrannt. Heißt die Fläche ist schon von Sonnenbrand befallen. Ja Musapfel oder Most.“

Landwirte behelfen sich mit Zwischenlösungen

Dies ist ein Verlustszenario für den Landwirt. Auf 100 Hektar baut Jakob Oestreicher Tafeläpfel an. Möglicher Ertrag: fast 3.000 Tonnen. Vorausgesetzt der Sonnenbrand hält sich in Grenzen. Ab 40 Grad auf der Schale wird es kritisch. Der Apfelbauer setzt sich zur Wehr, kühlt seine Früchte aktiv herunter. „Ja, tatsächlich nutzen wir hier die Frostschutzberegnung, die wir sonst im Frühjahr nehmen um unsere Blüte zu Schützen gegen Frost, jetzt können wir das wieder nutzen, um uns gegen Hitze zu schützen.“

Klimaveränderung in Statistiken auffallend

Daten des Deutschen Wetterdienstes zeigen für die vergangenen 70 Jahre ein Plus von durchschnittlich 21 Sommertagen pro Jahr. Damit ist auch die Wahrscheinlichkeit von Hitzewellen gestiegen. Die Anzahl der Tage mit 30 Grad und mehr hat sich verdreifacht. Immer häufiger wird darum Agrarberater Rolf Hornig zu Rate gezogen. Sonnenbrand bei Äpfeln ist für ihn eher ein neueres Problem. „Ich hab mal vor 45 Jahren eine Ausbildung zum Gärtner gemacht und da kannte man das nur aus Lehrbüchern aus Südafrika. […] Für mich eigentlich ein eindeutiges Indiz des Klimawandels.“ Der Agrarwissenschaftler unterstützt Obstbauern im gesamten Land. Der Sonnenbrand ist in allen Apfelbetrieben in Mecklenburg-Vorpommern ein Problem. Die klimatisierende Beregnung ist sicherlich momentan das probate Mittel. Wenn es intensiver wird, wäre vorstellbar beispielsweise Tonminerale zu sprühen. Es gibt tatsächlich ein Produkt, das legt sich auf die Früchte drauf. Und hat auch so wie eine Art Sonnencreme einen Schutz für die Früchte.

Sonnencreme für Äpfel keine Option

Für Jakob Oestreicher ist das keine Option. „Hier kann man ganz deutlich mal erkennen, weshalb wir die Sonne eigentlich brauchen. Hier ist jetzt ein Blatt drauf gewesen, keine Sonne. Daher ein Grüner Apfel. Wenn wir uns jetzt zu doll schützen würden mit dem Sonnenschutzmittel, dann haben wir am Ende bis zur Ernte 'ne Verfärbung, die nur so aussehen würde. An der Stelle wäre der Apfel tatsächlich für die Vermarktung zu blass.“

Regenwasser auffangen erforderlich

So bleibt nur die Beregnung. Grundwasser scheidet wegen seines hohen Eisengehalts aus. Niederschlag aufzufangen – die einzige Option. In einem System aus mehreren Teichen. Jakob Oestreicher: „Von daher sammeln wir hier übers ganze Jahr unser Wasser. Und wenn das verbraucht ist, dann ist alle. Dann haben wir keine Chance mehr uns zu schützen. Sei es gegen Frost oder gegen die Hitze an der Stelle.“ Nur ausreichend Niederschläge können seine Ernte sichern. Klar ist: Die Hitze treibt die Kosten in die Höhe – für den Apfelbauern und am Ende auch für den Verbraucher.

Hohe Düngemittelpreise: Landwirte erwarten massive Ausgaben

Die Preise für Düngemittel sind auf Rekordniveau. Für Landwirte heißt das: mehr Kosten oder weniger Ernte. Grund sind der Iran-Krieg und die Blockade der Straße von Hormus. Fachleute befürchten Folgen für Erträge und Ernährungssicherheit.

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