Am 26. Juli wird der Tag der Seenotretter begangen. Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) blickt auf eine 160-jährige Geschichte zurück, die am 29. Mai 1865 in Kiel begann.
Gründung nach tragischem Unglück
Mitte des 19. Jahrhunderts gerieten jährlich rund 50 Segelschiffe an der deutschen Nordseeküste in Seenot, doch nur ein einziges Rettungsboot war im Einsatz. Strandgut war für viele Küstenbewohner ein willkommenes Zubrot, und das überlieferte Strandrecht erlaubte es, Teile von Wracks oder Ladung zu behalten. Eine Kehrtwende brachte der Untergang der Brigg „Alliance“ am 10. September 1860 vor Borkum. Die neunköpfige Besatzung ertrank, während Inselbewohner das Wrack plünderten. Zeitungen berichteten empört über diese „mittelalterliche Barbarei“.
Der Navigationslehrer Adolph Bermpohl forderte daraufhin in Aufsätzen Rettungsstationen nach britischem Vorbild. Engagierte Bürger wie der Zollinspektor Georg Breusing in Emden gründeten örtliche Vereine. Die treibende Kraft beim Zusammenschluss zur DGzRS am 29. Mai 1865 in Kiel war der Bremer Journalist Arwed Emminghaus. Den Vorsitz übernahm der Reeder Hermann Henrich Meier.
Anfänge mit Spenden und Rettungsbooten
Die DGzRS benötigte 100.000 Taler für 50 Stationen und jährlich bis zu 15.000 Taler für laufende Kosten. Der Vorstand entwickelte ein zweigleisiges Spendenmodell: Meier setzte auf Großspenden, Emminghaus auf Klein- und Kleinstspenden. Seit 1875 gibt es das schwarz-weiß-rote Sammelschiffchen, das sogar in Bayern und Österreich aufgestellt wurde.
Bereits im Jahr nach der Gründung retteten die Männer an Nord- und Ostsee 141 Menschen. Die DGzRS setzte 1866 insgesamt 122 Rettungsboote und 19 Rettungsgeschütze ein. Mit Raketen wurden Leinen zu havarierten Schiffen geschossen, über die Schiffbrüchige mittels einer Hosenboje an Land gezogen wurden.
Entwicklung bis heute
Die Rettungsboote wurden von Pferdegespannen durch die Dünen gezogen, dann ruderten die Männer durch die Brandung. Das „Deutsche Normalrettungsboot“ war acht Meter lang, zweieinhalb Meter breit, aus Stahlblech und wog nur 1.350 Kilogramm. Ein Einsatz konnte viele Stunden dauern, wie ein Bericht von 1880 zeigt: „Erst nachmittags, 4 Uhr, kamen wir wieder auf der Station an, vollständig durchgefroren, gänzlich erschöpft.“
Von 1869 bis 1918 starben 21 Rettungsmänner auf See, bis heute sind es 45. 1911 kam das erste Motorboot zum Einsatz, das die Reichweite erhöhte. In den 1950er-Jahren wurde der Rettungskreuzer-Typ mit Tochterboot entwickelt, der sich selbst aufrichten konnte.
Bis heute hat die DGzRS 87.770 Menschen geholfen (Jahresbericht 2025). Allein 2025 waren die Seenotretter in 1.775 Fällen im Einsatz und leisteten fast 3.400 Menschen Hilfe, 462 wurden aus Seenot befreit. Die Gesellschaft finanziert sich ausschließlich durch Spenden und beschäftigt rund 180 Festangestellte sowie mehr als 800 Freiwillige.