Am Samstag, 29. August, hat Stefan Hellwig nach 28 Jahren seinen Modellbahnladen „Modellbahn Schaft“ am Doberaner Platz in Rostock geschlossen. Am letzten Verkaufstag nutzten viele Stammkunden die Gelegenheit, um ein letztes Mal einzukaufen und sich persönlich zu verabschieden. Bei Ladenschluss stießen Mitarbeiter, Freunde und Verwandte mit alkoholfreiem Sekt auf den Abschied an.
„Es ist einfach nicht mehr wie früher“
Hellwig ist mit der Schließung nicht unglücklich. „Es ist einfach nicht mehr wie früher“, erklärt er. Im November 1998 eröffnete er seinen ersten kleinen Modellbahnladen in der Ottostraße in Rostock und machte sein Hobby zum Beruf. Den Namen „Modellbahn Schaft“ übernahm er von seinem „väterlichen Freund“ Jochen Schaft, der einen Modellbahnladen in Kühlungsborn betrieben hatte. Vor 17 Jahren zog das Geschäft an den Doberaner Platz um.
Die 200 Quadratmeter Ladenfläche waren randvoll mit allem, was das Modellbahner-Herz begehrt. Zusätzlich betrieb Hellwig einen Spielzeugladen direkt nebenan, den er bereits zuvor geschlossen hatte. Seitdem nutzt er die Räume als Werkstatt und fertigte regelmäßig Anlagen für Kunden an. Eine letzte Auftragsarbeit steht noch in der Werkstatt: eine Modell-Eisenbahn-Anlage in T-Spur mit Bahnhofsgebäude und elektrisch angetriebenen Zügen.
2800 Schindeln für ein Dach
Hellwig selbst bevorzugt die etwas größeren Gartenbahnen und mag vor allem US-inspirierte Modelle. In seinem Laden stand etwa die Dampflok Fourney, die im Original als Museumsbahn im Osten der USA fährt und weit über tausend Euro wert ist. Die Häuser, Bahnhofsgebäude und Szenerien baute er selbst. Ein junges Mädchen zählte einmal während einer Messe 2800 Schindeln auf dem Dach eines seiner Gebäude. „Jede einzelne davon habe ich selbst geschnitten und aufgeklebt“, sagt er.
In den 28 Jahren als Ladenbetreiber organisierte Hellwig zahlreiche Veranstaltungen. So war er mit einem meterlangen Aufbau bei der Flair am Meer dabei, richtete während der Rostocker Lichtwoche wiederholt eine lange Modellbahnnacht aus und verwandelte dreimal am Samstag vor dem 1. Juni den Vorplatz seines Ladens in ein Kinder-Spiele-Modellbahn-Paradies.
Einzelhandel nicht mehr erwünscht?
Der 62-Jährige will künftig nur noch hobbymäßig bauen und gestalten. „Wenn ich Kundenaufträge annehme, müsste ich ja wieder ein Gewerbe anmelden“, erklärt er. Die Vorgaben seien mittlerweile zu krass: „Man hat manchmal schon das Gefühl, dass Einzelhandel eigentlich gar nicht mehr erwünscht ist in Deutschland“, sagt er. Zu viel Bürokratie, zu viele Hürden, zu viele Vorgaben.
Auch die Vorstellungen der Händler seien extremer geworden und raubten ihm zunehmend die Freiheit, selbst zu entscheiden: „Da kaufe ich Ware des einen Händlers und bin verpflichtet, einen Aufbau zu zeigen und Vorführgeräte – aber nur die“, erzählt er. „Dann kommt der nächste Händler und da gilt das Gleiche.“ Das koste Zeit, Platz und Geld. „Jetzt zählen nur noch die Zahlen“, kritisiert er. „Dabei ist es doch ein Hobby, von dem wir sprechen.“
Ehrenamt für Kinder
Künftig möchte Hellwig das Hobby im Ehrenamt kultivieren. Er plant, mit Kindern Modelle zu bauen, und entwickelt aktuell ein Konzept dafür. Auch für interessierte Modellbahner will er weiterhin da sein. „Und für die Familie“, sagt er. In den 28 Jahren, die er im Laden am Tresen stand, habe die Familie oft zurückstecken müssen. „Da wird es doch auch Zeit, mal etwas zurückzugeben.“