„Slay it loud!“: Größter CSD in MV mit 6500 Teilnehmern in Rostock
Größter CSD in MV: 6500 feiern in Rostock

Mehr als 6500 Menschen haben am Samstag, 18. Juli, in Rostock den 24. Christopher Street Day (CSD) gefeiert. Unter dem Motto „Slay it loud!“ fand eine politische Kundgebung auf dem Neuen Markt, ein fünf Kilometer langer Demonstrationszug durch das Stadtzentrum, ein Hafenfest auf der Haedgehalbinsel und die Pride Night im Peter-Weiss-Haus statt. Es war die größte regelmäßig stattfindende Demonstration in Mecklenburg-Vorpommern.

Stärkerer Demozug als in den Vorjahren

Der Demonstrationszug war in diesem Jahr deutlich stärker als in den vergangenen Jahren. Sieben Fahrzeuge, darunter der Turmwagen der Rostocker Straßenbahn AG mit DJ, sowie diverse Laufgruppen beteiligten sich.

Polizei bilanziert störungsfreien Ablauf

Die Polizei traf sowohl bei der Demonstration als auch beim Hafenfest besondere Sicherheitsvorkehrungen. Einsatzleiter Polizeihauptkommissar Sven Steffenhagen bilanzierte einen störungsfreien Ablauf. Es habe keine Übergriffe und auch keine Anzeigen im Zusammenhang mit der Veranstaltung gegeben. Eine angekündigte Gegendemonstration fand nicht statt.

Zufriedene Veranstalter

Franko Wegner vom Vorstand des Rostocker CSD-Vereins zeigte sich zufrieden. „Eine erfolgreiche Veranstaltung mit starken Redebeiträgen. Wir haben zudem den zivilgesellschaftlichen Rückhalt gespürt“, sagte er.

Politische Reden auf dem Neuen Markt

Auf dem Neuen Markt sprach unter anderem Sophie Koch (SPD), die Queer-Beauftragte der Bundesregierung, von zunehmender Hasskriminalität gegenüber der queeren Community. „Doch wir stehen stark zusammen“, sagte sie. Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger (Linke) ergänzte: „Wir sind viele, wir erheben unsere Stimmen zusammen. Happy Pride!“ Die Rektorin der Universität Rostock, Prof. Dr. Elizabeth Prommer, betonte die Bedeutung von Vielfalt in Forschung und Lehre. Moderatorin Drag Queen Fatty Acid fasste zusammen: „Wir demonstrieren für Menschenrechte und für die Liebe.“

Forderungen an die Landespolitik

Der CSD-Verein stellte im Vorfeld der Landtagswahl queerpolitische Forderungen an die Landespolitik. Das Motto des CSD lautete „Slay it loud! Letzte Chance für deine Stimme.“ Frieda Kopp, Vorstandsvorsitzende des CSD-Vereins, betonte die Notwendigkeit, sich für eine sichere Lebensumgebung für marginalisierte Gruppen und queere Menschen einzusetzen. Der Verein fordert unter anderem ein AfD-Verbot, den Ausbau von Beratungs- und Unterstützungsangeboten sowie mehr Sicherheit für die queere Szene.

Anstieg der Hasskriminalität

Die Übergriffe auf die queere Community nehmen zu – von Beleidigungen über Online-Hetze und Bedrohungen bis zu Körperverletzungen. Im Jahr 2024 wurden in Mecklenburg-Vorpommern 41 entsprechende Straftaten registriert, im Jahr 2025 waren es 56 Straftaten. Das Landeskriminalamt MV stellt einen deutlichen Anstieg fest. In Rostock ist die Zahl leicht rückläufig: 2024 wurden 18 Straftaten gegen queere Menschen erfasst, 2025 nur noch zehn.

Hohe Dunkelziffer

Dorina Arndt, Präventionsberaterin der Rostocker Polizei, weiß, dass die Dunkelziffer wesentlich höher liegt. „Bis zu 90 Prozent der Angriffe auf die queere Community bleiben im Dunkeln“, sagt sie. Queere Menschen seien eine der am stärksten von Hasskriminalität betroffenen marginalisierten Gruppen. Sie registriert einen Anstieg der Übergriffe: „Immer mehr Betroffene kommen zu mir. Sie sind sehr verunsichert.“ Die Gesellschaft müsse Zivilcourage zeigen. Ihre Botschaft an die queere Community: „Wir sind an Eurer Seite.“