The Strokes, einst als Retter des Rock'n'Roll gefeiert, sind mit ihrem siebten Studioalbum „Reality Awaits“ zurück. Die Band um Frontmann Julian Casablancas klingt darauf wie früher – und gleichzeitig völlig anders. Die Deutschlandtermine ihrer Tour im Herbst sind bereits ausverkauft.
Vom Garagenrock zur New Wave
Anfang der 2000er Jahre prägten The Strokes mit ihrem Debüt „Is This It“ eine neue Ära der Rockmusik, als Hip-Hop, Nu Metal und elektronische Musik die Charts dominierten. Kommerziell waren sie damals nicht übermäßig erfolgreich, doch ihr Einfluss war enorm. Heute füllen sie große Hallen, obwohl Stadionrock nicht ihr Stil ist.
Das neue Album „Reality Awaits“ zeigt die Band experimentierfreudig: Der Sound ist New-Wave-lastig, melancholisch und voller Klangexperimente. Autotune, das bei Casablancas umstritten ist, wird nur auf etwa der Hälfte der Songs eingesetzt. Spoken Word, Orgeln und Gitarren, die wie Trompeten klingen, sind zu hören.
Veränderter Lebensstil und politische Debatten
Die Band war früher für Drogenexzesse bekannt. Gitarrist Albert Hammond Jr. gab an, zeitweise 2.000 Dollar pro Woche für Betäubungsmittel ausgegeben zu haben. Casablancas ersetzte seine Alkoholsucht durch eine Kaffeeabhängigkeit, die sein Management angeblich durch heimlich entkoffeinierten Kaffee bekämpfte. Dass die Strokes auch 2026 noch eine sehr gute Band sind, wird auf ihren veränderten Lebensstil zurückgeführt.
Inhaltlich dreht sich das Album um Entfremdungsgefühle in der modernen Welt. Beim Coachella-Festival sorgte die Band mit einer Videomontage für Diskussionen, die politische Anschuldigungen gegen die US-Außenpolitik und CIA-Operationen enthielt. Zudem gab die Band bekannt, dass Gitarrist Nick Valensi eine temporäre Pause einlegt und bei der kommenden Tour vertreten wird.
Anspieltipps und Vermächtnis
Zu den Highlights des Albums zählen die Prog-Rock-Ballade „Psycho Shit“, die Pop-Rock-Single „Going Shopping“ und der Indierock-Song „Dine N'Dash“. Der Track „Lonely in the Future“ erinnert am meisten an frühere Strokes. Zwar erreichen die neuen Songs nicht die Klasse von Klassikern wie „Last Nite“ oder „Reptilia“, doch ein Gedankenexperiment hilft: Stellt man sich vor, die Lieder wären von einer anderen Band, wirken sie plötzlich umso besser.