Personalkrise im Nahverkehr: Jeder zweite Busfahrer über 55
Der demografische Wandel wird im Alltag immer spürbarer. Aktuell zeigt sich dies besonders im Berufsstand der Busfahrer: 40 Prozent der in Deutschland beschäftigten Busfahrer sind über 55 Jahre alt. Zum Vergleich: Branchenübergreifend liegt der Anteil der über 55-Jährigen laut Statistischem Bundesamt bei nur etwa 25 Prozent.
Bundeswehr als wichtige Quelle versiegt
Aus der Branche ist zu hören, dass Busfahrer vor allem deswegen fehlen, weil die Bundeswehr nicht mehr ausbilde. Die Bundeswehr war lange Zeit eine der wichtigsten Quellen für neue Busfahrer. Hinzu kommen unregelmäßige Dienstzeiten, Wochenend- und Feiertagsdienste sowie die hohen Kosten für den benötigten Führerschein, der für Quereinsteiger rund 14.000 Euro kostet.
Babyboomer-Ruhestand verschärft Lage
Die geburtenstarken Jahrgänge 1963/64 werden Ende der 2020er/Anfang der 2030er Jahre geballt in den Ruhestand wechseln, was die Personalnot weiter verschärfen dürfte. Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (Kofa) des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft schätzt, dass bis 2041 mindestens 60.000 Bus- und Straßenbahnfahrer aus dem Berufsleben ausscheiden.
Folgen für Fahrgäste: Ausgedünnte Linien
Die Berliner Verkehrsbetriebe mussten bereits Bus- und Straßenbahnlinien ausdünnen und die Takte verlängern. Trotz einer zwischenzeitlichen Personaloffensive konnte die Fachkräftelücke nicht annähernd geschlossen werden.
Lkw-Fahrer ebenfalls betroffen
Auch im Gütertransport gibt es Engpässe: Laut Kofa werden in den kommenden 10 bis 15 Jahren rund 200.000 Lkw-Fahrer in Rente gehen. Insgesamt wechseln in den nächsten anderthalb Jahrzehnten bundesweit und branchenübergreifend 4,6 Millionen Fachkräfte vom aktiven Arbeitsmarkt in den Ruhestand. Mehr als 3,6 Millionen von ihnen arbeiten bereits jetzt in Berufen mit Personalengpässen.