Motorrad-Abenteuer im Himalaya: Schwerinerin ignoriert Warnschild auf 5600 Metern
Schwerinerin trotzt Himalaya: 40 Minuten auf 5600 Metern

Die Schwerinerin Alexia Mohr hat sich auf dem Khardungla Pass, der zweithöchsten befahrbaren Straße der Welt, auf 5600 Meter Höhe begeben. Ein Warnschild wies darauf hin, nicht länger als fünf Minuten an diesem Ort zu bleiben. Alexia ignorierte die Warnung und blieb 40 Minuten – achtmal länger als erlaubt.

„Ich fand es auf dem Khardungla Pass, der zweithöchsten befahrbaren Straße der Welt, so krass, die Aussicht so schön“, erzählt sie. „Und dann hatte ich einen Sternenhimmel vor Augen. Höhenkrankheit? Davon hatte ich vorher keine Ahnung.“

Eine Nachricht von einem Fremden

Alles begann vor einem Jahr mit einer Nachricht von einem wildfremden Mann aus Indien. Alexia, die als Kinder- und Jugendpsychologin an den Helios Kliniken Schwerin arbeitet, las: „Du bist so abenteuerlustig, möchtest du nicht mitkommen? Wir organisieren Motorradtouren durchs Himalaya-Gebirge und wir hatten die letzten Jahre noch nie eine Frau dabei.“ Zuerst dachte sie: „Hm, kann mir ja jeder schreiben.“ Sie war 2024 bereits in Indien und mit dem Motorrad in sieben Tagen quer durch das Land gefahren.

Nach einem Blick auf die Webseite und einem Videocall entschied sie sich mitzumachen. „Da war mir noch gar nicht klar, dass die zehntägige Reise durch das höchste Gebirge der Welt gehen soll und auf die vier höchsten befahrbaren Pässe der Welt“, erzählt sie. Gemeinsam mit ihrem Freund, der sie als Kameramann begleitete, flog sie im Juli nach Indien. In Delhi blieben ihnen nur ein paar Stunden, die sie in einem Hotel mit Kakerlaken verbrachten.

Landung zwischen Bergspitzen

Der Flughafen lag in mehr als 3000 Meter Höhe. „Das war unglaublich“, erinnert sich Alexia. „Unsere Maschine musste zwischen Bergspitzen landen. Zurück war es noch heftiger. Wir mussten einen U-Turn fliegen, um die steilen Bergwände hochzukommen. Die Flugzeuge dürfen nur speziell ausgebildete Piloten steuern.“

Zu siebt starteten sie ihre Motorradtour in Leh, der Hauptstadt der Region Ladakh. Alexia saß auf einer Royal Enfield Himalayan 450. Die beiden Guides aus Indien hatten vorher gesagt, dass die Tour ziemlich hart wird. Die Gruppe hatte einen Sanitäter dabei, der morgens, mittags, abends und unterwegs in großen Höhen Blutdruck und Sauerstoffsättigung maß.

Herausforderungen: Wetter, Toiletten und Kontrollen

An manchen Tagen saßen sie acht bis neun Stunden im Sattel. Das Wetter schlug in Sekunden um, die Temperaturen schwankten zwischen 0 und 50 Grad. Nachts versuchte sich Alexia mit Merinowolle und Heizpatches warmzuhalten. „Die sind eigentlich für Periodenschmerzen. Bei der Kälte habe ich auf jeden Fall ein paar Mal grimmig geguckt. Immerhin war es so dunkel, dass man draußen super die Milchstraße mit bloßem Auge sehen konnte. Das war eine der schönsten Sachen.“

Die Unterkünfte waren dürftig: Wasser aus dem Eimer, Strom nur wenige Stunden, manchmal tagelang kein Internet. Die Toiletten bestanden aus Löchern im Boden. „Nix mit Kloschüssel. Da waren nur Löcher im Boden“, staunt Alexia. „Da muss man genau zielen. Das ist wirklich ein Albtraum.“ Nervtötend waren die ständigen Polizei-Kontrollen wegen der Krisenregion. „Als wir in ein Museum wollten, bin ich fast nicht reingekommen, weil sie in meinem Pass gesehen hatten, dass ich schon mal in China war“, so die 26-Jährige. „Hey, ich war auch schon in mehr als 40 anderen Ländern der Welt, haben wir denen klargemacht. Und dann meinten sie, ah ja, okay.“

Höchste Tankstelle und heilige Kühe

„Einfach nur atemberaubend“, schwärmt Alexia. „Das Himalaya-Gebirge ist das höchste der Welt und deshalb ist dort auch sonst alles das Höchste – es gibt die höchsten Pässe, die höchsten Seen, sogar die höchste Cafeteria und die höchste Tankstelle. Die war auch cool, denn der Sprit wird da noch mal extra durch Socken gefiltert, damit kein Dreck in die Motorräder kommt. Mit unseren Rädern sind wir mal auf perfekten Straßen gefahren und mal Offroad im Tiefsand. Wir hatten alles an Pisten dabei.“

Die Landschaft überwältigte die junge Frau: „Man kann es nicht beschreiben. Das Schönste war für mich der Pangong-See, einer der weltweit höchsten Salzseen. Die Spiegelung der Berge im Wasser hat mich völlig gefesselt. Ich hab’ die Augen aufgerissen und gedacht, wow, wo soll ich hingucken?“ Sie sah Kamele, Esel, Wildpferde, Murmeltiere und Adler. Zwischendurch besuchten sie Tempel und Klöster. „Witzig ist, dass unterwegs die Kühe auf der Straße herumliegen“, sagt sie. „Und weil die da heilig sind, fahren alle schön um sie herum.“

In einer kleinen Klosterschule ohne Strom und Heizung kitzelte sie mit Plüschtieren ein Lächeln bei den Kindern hervor. Fast jeder aus der Gruppe hatte irgendwann Magenprobleme – Alexia nicht. „Ich glaube, mein Magen ist das einfach von meinen Reisen gewöhnt.“

Über eine Sache ist sie erleichtert, seit sie wieder zu Hause ist: „Ich wusste noch nie eine Kloschüssel und Klopapier nach zehn Tagen so zu schätzen wie nach dieser Reise. Auch wenn ich am Ende treffsicher war, das schlimmste waren die Toiletten.“ Aus den indischen Guides sind Freunde geworden, die im kommenden Februar nach Deutschland kommen wollen. Am Ende der Tour gönnten sich Alexia und ihr Freund einen Ausflug zum Taj Mahal.