Rund 350.000 Unterrichtsstunden sind im vergangenen Schuljahr in Mecklenburg-Vorpommern ersatzlos ausgefallen. Insgesamt konnten 13,5 Prozent aller Stunden nicht wie geplant stattfinden, sondern fielen zur Vertretung an. Ein Grund dafür ist neben dem hohen Krankenstand der Lehrermangel im Land. Vor der Landtagswahl hat der NDR die Wahlprogramme der Parteien zu diesem Thema verglichen.
SPD: Mehr Pädagogen für benachteiligte Standorte
Die SPD will gegen den Lehrkräftemangel vor allem mehr ausgebildete Fachkräfte und mehr junge Menschen für ein Lehramtsstudium gewinnen. In ihrem Wahlprogramm heißt es, dieser Weg müsse durch einen „hochwertigen Seiten- und Quereinstieg“ unterstützt werden. Die Partei will dabei einen Schwerpunkt auf den ländlichen Raum und besonders benachteiligte Standorte legen. Außerdem sollen vor allem Grund-, Regional- und Gesamtschulen gestärkt werden.
AFD: Lehrer aus Verwaltung zurück an Schulen
In Mecklenburg-Vorpommern arbeiten rund 13.700 Lehrkräfte. Davon stehen etwa 400, das sind rund drei Prozent, nicht vor einer Klasse, sondern sind zum Beispiel ins Bildungsministerium oder in Schulämter abgeordnet. Die AfD fordert in ihrem Programm gegen den Lehrermangel, diese zurück an die Schulen zu holen. Kurzfristig setzt sie wie andere Parteien auf Seiteneinsteiger. Langfristig, so schreibt die AfD in ihrem Wahlprogramm, wolle sie Lehrkräfte nicht wie bisher an den Universitäten ausbilden, sondern an einer eigenen Pädagogischen Hochschule.
CDU: Unterrichtsgarantie an Grundschulen
Die CDU will laut ihrem Programm eine Unterrichtsgarantie für Grundschulen: Montags bis freitags soll von 8 bis 14 Uhr demnach auf jeden Fall Unterricht stattfinden – ohne Ausfall oder Notlösungen. Außerdem will die CDU eine sogenannte Grundunterrichtsversorgung von 105 Prozent: Das heißt, Schulen müssten mehr Lehrer und Lehrerinnen vorhalten als eigentlich gebraucht werden. Die fehlenden Lehrkräfte sollen langfristig zwar vor allem von den Unis kommen, heißt es. Um den Lehrermangel kurzfristig zu beheben, wollen die Christdemokraten vorübergehend aber auch Lehrkräfte im Ruhestand motivieren, zurück an die Schulen zu kommen.
Die Linke: Konkrete Zahlen für zusätzliches Personal
Die Linke hat das Thema Bildung in ihrem Wahlprogramm an erster Stelle platziert und nennt als einzige Partei konkrete Zahlen, wie viele Fachkräfte zusätzlich an den Schulen arbeiten sollten: So fordert sie 950 zusätzliche Stellen, damit Lehrerinnen und Lehrer im Land weniger Pflichtstunden unterrichten müssen. Außerdem sollen nach der Vorstellung der Linken 500 weitere Alltagshilfen und andere Fachkräfte in den Schulen arbeiten. Woher das zusätzliche Personal kommen soll, dazu macht die Linke in ihrem Programm keine Angaben.
Grüne: Keine Seiteneinsteiger mehr
Die Grünen fordern wie die Linke weniger Pflichtstunden. Außerdem sprechen sie sich in ihrem Wahlprogramm deutlich gegen weitere Seiteneinsteiger an den Schulen im Land aus. Möglichst alle offenen Lehrerstellen sollten wieder durch vollständig ausgebildete Lehrkräfte besetzt werden, heißt es. Dafür wollen die Grünen für mehr Uni-Absolventen sorgen. Unter anderem schlagen sie ein Stipendien-Programm für Mangel-Fächer wie Mathematik und Physik vor.
BSW: Attraktivere Bedingungen für junge Lehrer
Auch das BSW setzt auf weniger Unterrichtsverpflichtung für Lehrkräfte, die aber durch ein Lebensarbeitszeitkonto erreicht werden soll. Für junge Menschen will das BSW den Beruf attraktiver machen. Das sei, heißt es im Wahlprogramm der Partei, beispielsweise durch ein praxisnäheres Studium oder durch Unterstützung von jungen Lehrerinnen und Lehrern bei der Wohnungssuche zu erreichen.
FDP: Personalreserve und MINT-Schwerpunkt
Die FDP fordert in ihrem Wahlprogramm ebenfalls eine Unterrichtsgarantie, allerdings an allen Schulen. Wie die CDU will sie sich für eine Lehrer-Personalreserve einsetzen, um Ausfall zu vermeiden. Bei der FDP soll diese langfristig noch höher, nämlich bei 108 Prozent, liegen. Zum Thema Lehrkräfte-Mangel konzentriert sich die FDP auf die MINT-Fächer, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Für diese will sie an der Universität Greifswald ein eigenes Lehramtsstudium einführen.