Nach dem Erdrutschsieg der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt haben die Parteien in Mecklenburg-Vorpommern unterschiedlich reagiert. Die AfD kam laut ZDF-Hochrechnung auf gut 44 Prozent und profitiert dabei vor allem vom massiven Zulauf bisheriger Nichtwähler. Die CDU folgt mit 17,2 Prozent, dahinter liegen SPD (9,1), Grüne (8,9) und Linke (8,6). Das BSW erreicht 5,2 Prozent, die FDP scheitert mit 2,5 Prozent an der Fünfprozenthürde.
Spitzenkandidaten sehen unterschiedliche Signale
Manuela Schwesig (SPD) erklärte: „Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik haben Rechtsextremisten sehr deutlich eine Landtagswahl gewonnen.“ Das sei gefährlich für Sachsen-Anhalt und Deutschland. In MV müsse verhindert werden, dass die AfD stärkste Kraft werde. Wer das wolle, müsse die SPD wählen. „Ich stehe mit ganzer Kraft für Verlässlichkeit und Stabilität.“
AfD-Spitzenkandidat Enrico Schult sprach von einem „Erdrutschsieg, der auch unseren Wahlkampf in MV noch beflügeln wird“. Co-Landessprecher Leif-Erik Holm jubelte in den sozialen Medien: „Es ist ein Traum.“ Das gebe der Partei Rückenwind in MV und im Bund.
Linke und CDU warnen vor Folgen
Linken-Landeschef Hennis Herbst deutete das Ergebnis als „Erdbeben, das Berlin erreichen wird“. Es sei Folge einer gescheiterten Politik der Bundesregierung. Seine Partei stelle der AfD soziale Politik entgegen: „gute Löhne, sichere Renten und eine Bildung, die niemanden zurücklässt und ausgrenzt.“
CDU-Landeschef Daniel Peters sagte: „Das ist Demokratie, und die AfD hat diese Wahl gewonnen.“ Die Polarisierung führe nur dazu, dass die AfD stärker werde. Wer bürgerliche Politik wolle, müsse CDU wählen. Das Ergebnis solle „wachrütteln“.
Grüne, BSW und Wirtschaft äußern sich
Grünen-Spitzenkandidatin Claudia Müller zeigte sich erfreut über das Abschneiden ihrer Partei, mahnte aber: „Demokratische Mehrheiten dürfen wir deshalb nicht dem Zufall überlassen werden.“ BSW-Landeschef Peter Schabbel sieht Chancen für echte Veränderung: „Nur mit dem BSW gibt es die Chance auf echte Veränderung.“
Politologe Wolfgang Muno von der Universität Rostock nannte den Ausgang „schlimmer als erwartet“. 50 Prozent der Wähler hätten Parteien gewählt, die die Demokratie ablehnten. Für MV erwartet er eine starke Mobilisierungswelle bei allen Wählergruppen. Sven Müller von der Vereinigung der Unternehmensverbände MV erklärte, das Votum sei zu respektieren, zugleich sei es „ein schwerer Rückschlag“ für den Wirtschaftsstandort und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.