Hürden für ukrainische Hautärzte in MV: Drei Frauen, drei Wege
Ukrainische Hautärzte in MV: Drei Frauen, drei Wege

In Neubrandenburg und Neustrelitz ist ein Termin beim Hautarzt oft nur mit langer Wartezeit oder weiten Wegen zu bekommen. Gleichzeitig leben in Mecklenburg-Vorpommern mehrere erfahrene Dermatologinnen aus der Ukraine, deren Weg zurück in den Arztberuf sehr unterschiedlich verläuft.

Mangel an Hautärzten trotz ukrainischer Fachkräfte

Nach Angaben des Schweriner Gesundheitsministeriums warten in Mecklenburg-Vorpommern gegenwärtig 23 Ärzte mit ukrainischer Staatsangehörigkeit auf Anerkennung. Unter den 62 bereits arbeitenden Medizinern, die nach Deutschland geflüchtet sind, gibt es keinen einzigen Hautarzt. Im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte arbeiten elf ukrainische Ärzte und Ärztinnen, fünf davon in Neubrandenburg.

Um in Deutschland als Arzt praktizieren zu können, ist neben der Anerkennung auch eine Approbation erforderlich. Für ausländische Ärzte ist der Weg dorthin oft langwierig und kompliziert. Sie müssen die Gleichwertigkeit ihrer medizinischen Ausbildung nachweisen, was je nach Bundesland unterschiedliche Anforderungen mit sich bringt. Häufig ist zudem ein Sprachtest erforderlich.

30 Jahre Erfahrung, aber keine Zulassung

Hanna N. hat fast 30 Jahre Berufserfahrung in der dermatologischen Chirurgie, hat kosmetische Eingriffe vorgenommen und war an mehreren Kliniken angestellt. Bis zu 60 Patienten täglich betreute sie in der Ukraine. Heute lebt sie in Mecklenburg-Vorpommern – und wartet auf ihre Approbation.

Noch immer steht sie mit ehemaligen Patienten aus der Ukraine in Kontakt. Viele fragen, wann sie zurückkommt. „Das Schlimmste ist nicht das Lernen der Sprache. Das Schlimmste ist, nach 30 Jahren Berufserfahrung wieder ganz von vorne anfangen zu müssen“, sagt sie.

Ein anderer Weg: Kosmetikerin statt Ärztin

Olena R. hat das Bundesland verlassen und arbeitet heute in einer ukrainischen Praxis in Westdeutschland. Dort behandelt sie deutsche und ukrainische Kundinnen – allerdings nicht als Ärztin, sondern als Kosmetikerin. Seit 2003 arbeitete sie in der Ukraine als Dermatologin und führte eine eigene Praxis. Ihre größte Hürde ist die Sprache. Sie lernt weiter Deutsch, bereitet sich auf die Approbation vor und will den Weg bis zum Ende gehen.

„Ich möchte einfach wieder als Ärztin arbeiten“, sagt sie. Obwohl sie bereits mit deutschen Kundinnen arbeitet, darf sie weder Diagnosen stellen noch medizinische Behandlungen durchführen. Selbst wenn sie Hautprobleme erkennt, darf sie lediglich auf einen Arztbesuch hinweisen.

Zurück in die Heimat

Katherina K. wartete nicht länger und entschied sich gegen den Weg in Deutschland. Nach ihrer Rückkehr in die Ukraine arbeitet sie wieder als Ärztin. „Wäre nur die Sprache das Hindernis gewesen, wäre ich zu 95 Prozent in Deutschland geblieben.“ Mit 20 Jahren Berufserfahrung müsse sie niemandem beweisen, dass sie Hautärztin ist.

Die drei Frauen trafen unterschiedliche Entscheidungen: Eine wartet auf die Approbation, eine hat in einem anderen Bundesland einen neuen Anfang gefunden, eine kehrte in die Ukraine zurück. Während Patienten monatelang auf einen Termin beim Hautarzt warten, gehen gleichzeitig erfahrene Fachärzte, die Zuflucht gefunden haben, verloren oder können ihr Wissen noch nicht einsetzen.