Zoff um Waldweg: Anwohner fühlen sich von der Stadt übergangen
Zoff um Waldweg: Anwohner fühlen sich übergangen

Der naturbelassene Weg zwischen Zippendorf und Mueß am Schweriner See soll asphaltiert werden. Die Ortsteilvertretung Zippendorf lehnt das Vorhaben ab und wirft der Stadt vor, sie nicht ausreichend zu beteiligen. Der Konflikt dreht sich nicht nur um den Wegbelag, sondern um die Glaubwürdigkeit kommunaler Mitsprache.

Projekt als beschlossene Sache präsentiert

Thilo Kreimer, Vorsitzender der Ortsteilvertretung, sagt: „Uns wurde das Projekt Ende Juni durch den städtischen Betrieb SDS vorgestellt und als beschlossene Sache dargestellt. Da fragen wir uns: Welche Rolle spielen wir?“ Die Stadt plant den Ausbau eines 1035 Meter langen Abschnitts des Residenzstädte-Radwegs. Baubeginn soll im Oktober sein, die Fertigstellung noch in diesem Jahr. Die Kosten schätzt die Stadt auf 767.000 Euro, 90 Prozent sollen aus Fördermitteln kommen.

Kritik an Finanzierung und fehlender Mitbestimmung

Kreimer kritisiert, dass bei der Vorstellung in der Ortsteilvertretung zwar die hohe Förderquote genannt worden sei, eine konkrete Kostenaufstellung aber gefehlt habe. „Wir fragen uns, woher kommen die verbleibenden zehn Prozent, wenn die Haushaltslage der Stadt Schwerin mehr als angespannt ist“, sagt er. Peter J. Harke, der als Bürger den Umgang der Stadt mit dem Ortsteil ebenfalls scharf kritisiert, ergänzt: „Es wird ein Projekt durchgesetzt, gegen das sich die Ortsteilvertretung ausgesprochen hat. Wo bleibt hier die Mitbestimmung?“ Sein Vorwurf: Die Präsentation sei nicht als offene Diskussion angelegt gewesen, sondern als Mitteilung über ein Vorhaben, das politisch längst festgezurrt ist.

Zweifel an Bauweise und Naturschutz

Kreimer und Harke zweifeln den Sinn der geplanten Bauweise an. Eine Asphaltschicht auf Waldboden halten sie für fragwürdig. Auch naturschutzfachliche Belange sehen sie nicht ausreichend berücksichtigt. Kreimer hat den Protest in einem Brief an Oberbürgermeister Sebastian Ehlers (CDU) und die zuständigen Fachbereiche bekräftigt. Darin verweist er auch auf ein Schreiben vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), dessen Argumente zum Schutz der Natur die Ortsteilvertretung nach eigenen Angaben unterstützt.

Weg soll naturbelassen bleiben

Für heikel wird die Finanzierung angesehen. Trotz Förderung bleibe ein Eigenanteil, der aus der klammen Stadtkasse finanziert werden müsse. Laut aktuellen Zahlen wären dies rund 80.000 Euro. Auch die Folgekosten für Pflege und Instandhaltung seien offen. Kreimer schreibt: „Ich fordere im Namen der Ortsteilvertretung Zippendorf den Abbruch beziehungsweise die Nichtaufnahme des sinnfreien Vorhabens.“ Hinzu kommt der Einwand, dass der Weg aus Sicht der Gegner gar nicht in dem Maße ertüchtigt werden müsse. Harke und Kreimer wollen, dass der Abschnitt naturbelassen bleibt. Selbst die Pfützen bei schlechtem Wetter halten sie nicht für ein überzeugendes Argument. „Die bei schlechten Witterungsverhältnissen vorhandenen Pfützen lassen sich umgehen oder mit dem Rad umfahren“, betonen beide.

Vertrauenskrise um Radweg: Gespräch am 26. August

Die Stadt Schwerin weist die Kritik zurück. Das Vorhaben beruhe auf einem Beschluss der Stadtvertretung aus dem Jahr 2015 und sei Teil einer langfristigen Entwicklung des Rad- und Wegenetzes. Die Asphaltbauweise sei aus naturschutzfachlicher Sicht die schonendste Lösung, weil kein aufwendiger Unterbau nötig sei und Eingriffe in Boden und Wurzelraum begrenzt werden könnten, teilt eine Sprecherin mit. Im Ortsteil überzeugt das bislang kaum. Dort ist aus dem Streit um einen Weg längst ein Streit um Vertrauen geworden. Die nächste Gelegenheit zur direkten Aussprache gibt es am 26. August um 18 Uhr in der „Strandperle“ in Zippendorf. Dann tagt die Ortsteilvertretung mit Oberbürgermeister Sebastian Ehlers als Gast.