Wer derzeit auf der Landesstraße 11 zwischen Teterow und Krakow am See unterwegs ist, muss zwischen zwei Brückenbaustellen hindurch. Die Brücke über die Nebel bei Kuchelmiß ist seit Wochen gesperrt, nun ist auch die Eisenbahnbrücke im fünf Kilometer entfernten Langhagen nicht mehr befahrbar. Als einziger Ausweg blieben die Autobahnauffahrten bei Kuchelmiß – doch auch diese waren in dieser Woche plötzlich dicht.
Anwohner und Betriebe überrascht
Während die Brückenarbeiten rechtzeitig angekündigt worden waren, erfuhren Anwohner und Unternehmen in Kuchelmiß und Wilsen von der Sperrung der A 19-Abfahrten erst, als es zu spät war. Die Zufahrten waren ohne Vorwarnung abgeriegelt worden.
Die „Fränki's Kfz-Werkstatt“ in Kuchelmiß erhielt plötzlich keine Ersatzteile mehr, weil Zulieferer das Dorf nicht mehr erreichten. Auch Ronny Brückner, Kfz-Meister der „Schrauberbude Brückner“ in Langhagen, hatte Probleme: „Auch mein Zulieferer wollte mir Ersatzteile vorbeibringen. Weil er aber auf der Autobahn nicht abfahren konnte, transportierte er sie bis nach Krakow am See. Ich hatte gerade in Güstrow zu tun. Von dort fuhr ich zur Autobahn-Abfahrt Linstow, um die Ersatzteile dann aus Krakow am See abholen zu können. Von dort bin ich über Serrahn nach Kuchelmiß gefahren und habe auch Fränki seine Teile vorbeigebracht“, berichtet Brückner. Der Umweg kostete 30 Minuten, und in Güstrow war die Sperrung nicht einmal ausgeschildert.
Landwirt beklagt Zusatzkosten
Ein Landwirt aus der Region beklagt die Lage: „Für uns ist die Sperrung zurzeit gar nicht gut. Wir sind in der Ernte und Getreide oder auch Raps müssen aus den Lagerhallen abgeholt werden. Wenn Lkws nun eine spätere Abfahrt nehmen müssen, werden auch mehr Mautgebühren fällig. Bei mehreren Lkw täglich und einem Umweg von etwa 20 Kilometern entstehen so zusätzliche Kosten.“
Kuchelmiß' Bürgermeister Peter Hildebrandt spricht davon, dass sein Dorf von der Außenwelt abgeschnitten sei und Existenzen bedroht seien. Von der Sperrung der Autobahnabfahrten habe auch er nichts gewusst – in der Baubesprechung zur Sanierung der Langhagener Brücke sei davon keine Rede gewesen.
Behörden uneins – dann Kehrtwende
Eine Anwohnerin zeigt sich wütend: „Eine Fahrt nach Teterow und Güstrow wird zum zeitaufwendigen Abenteuer und man fragt sich, ob man auch wieder nach Hause oder zur Arbeit kommt.“
Offenbar waren sich die Behörden zunächst uneinig, wer die Anschlussstelle Krakow am See in Kuchelmiß gesperrt hatte. Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr verwies am Dienstag noch auf die Autobahn GmbH. Am Mittwoch dann die überraschende Wende: Nach einer erneuten gemeinsamen Bewertung durch die beteiligten Verkehrsbehörden sollen die A 19-Abfahrten am Donnerstag, 6. August, wieder geöffnet werden, teilte das Landesamt mit.
Rücksicht auf umliegende Ortschaften
Aus der Behörde heißt es: „Die Ausfahrten waren aus Gründen der Verkehrssicherheit gesperrt worden. Hintergrund sind die Baustellen bei Kuchelmiß und Langhagen. Aufgrund der dortigen Verkehrsführungen bestehen für den Lkw-Verkehr derzeit keine geeigneten Wendemöglichkeiten.“
Jetzt sei die Lage neu bewertet und auch die Erreichbarkeit der umliegenden Ortschaften berücksichtigt worden. „Im Ergebnis dieser Abwägung wird die Sperrung der Ausfahrten aufgehoben“, so ein Sprecher des Landesamtes.