Lieber Donald Trump, danke für diese wunderbare WM
Danke, Donald Trump, für diese WM

Zugegeben: Ich war mehr als skeptisch vor dieser WM. 48 Mannschaften, 104 Spiele, horrende Ticketpreise, mögliche Korruption, drei Zeitzonen, Spiele nachts um 3 Uhr – die Vorfreude hielt sich in Grenzen.

41 Millionen TV-Zuschauer bei einem Spiel

Aber dann … Prall gefüllte Stadien. 6,6 Millionen Besucher. Tolle Spiele. Sensationelle Stimmung. Rekordeinschaltquoten hierzulande und in den USA. Das Achtelfinale der USA gegen Belgien sahen in der Spitze 41 Millionen Menschen. Zehntausende feierten parallel in den Bars. Menschen unterschiedlichster Herkunft lagen sich in den Armen. Was gibt's da zu meckern?

Ja, der Anruf von Trump bei FIFA-Präsident Giovanni Infantino nach der Roten Karte von Folarin Balgun war grenzwertig. Aber mal ehrlich: Am Ende des Tages hat ein Präsident versucht, das Beste für sein Land zu erreichen. Viele würden Bundeskanzler Friedrich Merz loben, wenn er das Gleiche täte. Der Skandal ist, dass Infantino sich mutmaßlich beeinflussen ließ.

Gleiche Regeln für alle

Auch politisch ist Trump wenig vorzuwerfen. Dass dem somalischen Schiedsrichter Omar Artan die Einreise verweigert wurde, ist eine Selbstverständlichkeit. Er soll Verbindungen zu terroristischen Organisationen unterhalten. Warum sollten für Sportler andere Regeln gelten als für andere?

Löblich war auch der Umgang mit dem Iran. Haben die USA iranische Flaggen in den Stadien verboten? Oder Symbole aus der Zeit vor der Islamischen Revolution? Nein! Auch die umstrittene US-Einwanderungsbehörde ICE hielt sich während der WM wohltuend im Hintergrund.

8 Spiele bis zum Finale

Das Wichtigste natürlich: Sportlich gesehen hat die WM neue Maßstäbe gesetzt. Ein Inselstaat wie Cap Verde hatte nach den alten Regularien mit 32 Teams keine Chance auf eine WM-Teilnahme. Jetzt freuen sich alle.

Hand auf’s Herz: Stört es irgendjemanden, dass Spanien auf dem Weg zum Titel acht Spiele bestreiten musste statt sieben? Es hat doch Spaß gemacht, so viele Partien auf höchstem Niveau zu sehen.

Ja, man kann die XXL-Kommerzialisierung des Fußballs kritisieren. Man kann darüber diskutieren, ob der Fußball einer 27-minütigen Halbzeitshow weichen muss – wie im Finale geschehen. Aber mal ehrlich: Es war doch klasse, Madonna, Justin Bieber, Shakira und Tom Cruise zu erleben. Einziger Kritikpunkt: 5 Minuten kürzer wären perfekt.

In der Gesamtbetrachtung waren es trotzdem fünf tolle Wochen. Deshalb: Danke, Donald Trump, für diese WM!