Einst geheimer DDR-Flugplatz Warbelow: Bundeswehr schweigt zu Patriot-Standorten
Bundeswehr schweigt zu Patriot-Standorten in Warbelow

Nach dem öffentlichkeitswirksamen Abmarsch von Patriot-Flugabwehrsystemen aus Warbelow im Januar 2023 gibt die Bundeswehr heute keine Auskünfte mehr über die Stationierung ihrer mecklenburgischen Systeme. Eine Sprecherin der Luftwaffe verweist lediglich auf operative Erfordernisse und militärische Sicherheit.

Medienrummel im Januar 2023

Am 23. Januar 2023 öffnete die Luftwaffe ihre Tore in Warbelow für Medienvertreter. Zwei Patriot-Flugabwehrstaffeln machten sich auf den Weg nach Polen, eine dritte folgte wenige Tage später. Ziel war das Umfeld der Stadt Zamosc, etwa 30 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Kurz zuvor war dort eine fehlgeleitete ukrainische Abwehrrakete eingeschlagen und hatte zwei Menschen getötet. Die polnische Regierung bat Deutschland daraufhin um die Verlegung der Systeme.

Schon zu DDR-Zeiten war der Ort geheimnisumwittert: Eine 2360 Meter lange Graspiste diente als Reserveflugplatz der NVA. 1988 übten Piloten eines Marinefliegergeschwaders Starts und Landungen. Pläne, Warbelow zum Stationierungsflugplatz auszubauen, wurden mit dem Ende der DDR nicht weiterverfolgt.

Keine Angaben zu aktuellen Standorten

In den 1990er-Jahren errichtete die Bundeswehr nahe dem Dorf eine Luftwaffenausbildungsbasis mit der offiziellen Bezeichnung „Friedensausbildungsstellung (Faust)“. Heute teilt die Luftwaffe nur mit, sie richte den Einsatz ihrer Kräfte fortlaufend an operativen Erfordernissen aus. „Dies schließt auch die bedarfsgerechte Verlegung von Patriot-Feuereinheiten ein“, so die Sprecherin.

Zu konkreten Standorten, Zeiträumen, Umfängen von Verlegungen und zur Einsatzbereitschaft einzelner Feuereinheiten würden aus Gründen der militärischen Sicherheit grundsätzlich keine Angaben gemacht. „Entsprechende Informationen könnten Rückschlüsse auf Fähigkeiten, Verfügbarkeit und operative Planungen der Bundeswehr zulassen“, erklärt die Sprecherin.

Keine Auskünfte zu Schutzmaßnahmen

Ob sich derzeit noch Patriot-Systeme in Warbelow oder im benachbarten Bad Sülze befinden, lässt die Luftwaffe offen. Auch zu Schutzmaßnahmen gegen Drohnen und zur Einbeziehung umliegender Ortschaften gibt es keine Angaben. Die Sprecherin verweist darauf, dass die Bundeswehr Bedrohungsentwicklungen kontinuierlich beobachte und bewerte, auch die zunehmende Bedeutung unbemannter Luftfahrtsysteme. Zu konkreten Bedrohungslagen, Schutzmaßnahmen oder der Zuordnung einzelner Waffensysteme könnten keine weitergehenden Angaben gemacht werden.

Bereits 2013/14 hatte das Geschwader auf Bitte der Türkei den Luftraum an der türkisch-syrischen Grenze gesichert. 2012 stürzte bei einem Training eine Turbo-Propeller-Maschine ab, die als „feindliches“ Flugobjekt verfolgt wurde – zwei Piloten starben. Offensichtlich schätzt die Bundeswehr die Lage heute anders ein als an jenem 23. Januar 2023.