Hausärztin mit 68: Sigrun Steinwehr bleibt ihrer Praxis in Demmin treu
Hausärztin mit 68 bleibt ihrer Praxis in Demmin treu

Sigrun Steinwehr ist seit 40 Jahren Hausärztin in Demmin. Für die 68-Jährige ist noch lange nicht Schluss. „Ich bin die älteste Kollegin. Seit 1992 bin ich bereits im Dienst“, sagt sie. Für sie gebe es keinen schöneren Job.

Werdegang und Praxisgründung

Sigrun Steinwehr wurde in Demmin geboren und ging dort zur Schule. Nach einem praktischen Krankenhausjahr 1978 studierte sie Medizin in Greifswald. Danach begann sie 1984 in Neustrelitz die Facharztausbildung. Seit 1988 lebt sie wieder in Demmin. Ihre Hausarztpraxis eröffnete sie im Mai 1992 in der Treptower Straße. „Ich bin immer in MV geblieben und ich würde das nie bereuen.“ Von Beginn an legte die Ärztin Wert auf Nähe zum Krankenhaus.

2018 zog sie mit ihrer Praxis deshalb in den neuen Anbau des Kreiskrankenhauses Demmin um. Neben der Arbeit in der eigenen Niederlassung war sie in ehemaligen Landarztpraxen tätig, die zuvor Nebenstellen der Poliklinik waren.

Herausforderungen und private Schicksalsschläge

An ihren Anfang als selbstständige Ärztin hat sie gemischte Erinnerungen. Zwar konnte sie nun in ihrem Traumjob arbeiten, aber der Aufbau der eigenen Praxis war herausfordernd. Der Umbau der Räume und die Anschaffung von Geräten und Mobiliar wurden finanziell zur Schwierigkeit. Auch ihre drei Kinder, die zu Hause auf sie warteten, und der Aufbau eines Patientenstamms forderten damals alles, erinnert sie sich. „Meine jüngste Tochter Heide war gerade einmal zwei Jahre alt. Da habe ich mit zehn Patienten am Tag angefangen.“

Sigrun Steinwehr musste erst in diesem Jahr unerwartet ihre jüngste Tochter Heide beerdigen. Die Pastorin in Anklam war mit nur 35 Jahren plötzlich verstorben. Auch ihr Mann starb früh. Aus diesen Unglücksfällen habe sie aber auch Positives mitgenommen. „Ich stehe meinen Patienten mit Rat und Tat zur Seite. Aus meinem eigenen Erleben und Gefühlen kann ich sehr mitfühlend sein. Ich mache das gern und bin gern für sie da.“

Kein Aufnahmestopp und Zukunft der Praxis

Die Praxis ist über Demmin hinaus bekannt. Patienten kommen auch aus dem 35 Kilometer entfernten Siedenbollentin. Ungefähr 1000 Patienten betreut sie aktuell. Einen Aufnahmestopp gibt es nicht. „Es wird keiner weggeschickt“, verspricht die Ärztin. Im Team arbeiten neben Sigrun Steinwehr auch die Sprechstundenhilfen Beate Lange und Andrea Knuth. Bei Verwaltungsarbeiten unterstützt ihre älteste Tochter Maria John.

Neben der Sprechstunde gehören Hausbesuche und Behandlungen in Seniorenheimen zu ihrem Alltag. „Ich kann auch mal abends, wenn es ganz dringend ist. Dann mache ich Hausbesuche“, sagt sie. Die Versorgungslage mit Hausärzten in Demmin sei gar nicht so schlecht. Insgesamt haben sich neun in der Hansestadt niedergelassen.

„Ich möchte mich besonders bedanken bei Herrn Dabers, Frau Hantschel und Herrn Scholz, die für anderthalb Wochen meine Praxis im Notfall wegen des Todes meiner Tochter übernommen haben“, sagt sie. Diese Ärzte hätten das Ziel, die Versorgung in der Region aufrechtzuerhalten und den Nachwuchs zu sichern.