Kitzrettung: Fast alle Jungtiere mit Drohnenhilfe gerettet
Kitzrettung: Fast alle Jungtiere mit Drohnenhilfe gerettet

In der Schalenwild-Hegegemeinschaft Rothemühl sind in diesem Sommer fast alle Rehkitze und andere Jungtiere vor den Mähwerken gerettet worden. Die Revierjagdmeisterin Katja Selke vom Gut Klepelshagen schätzt, dass rund 95 Prozent des Jungwilds aus den Wiesen und Feldern in Sicherheit gebracht werden. Möglich macht das die immer weiter fortschreitende Drohnenrettung, durch die auch im Bereich Uecker-Randow immer mehr Tiere gerettet werden.

Rekordzahlen bei der Kitzrettung

Dr. Volker Böhning, Vorsitzender der Schalenwild-Hegegemeinschaft Rothemühl und ehemaliger Präsident des Landes- und Bundesjagdverbands, spricht von Rekordzahlen. Die mehrköpfigen Drohnenteams würden im Durchschnitt drei volle Wochen ihrer Freizeit investieren, lobt er.

In puncto Zahlen verweist Böhning auf den Jagdverband Hiddensee-Rügen. Dort gibt es seit diesem Jahr ein Monitoring und eine genaue Meldung der geretteten Jungtiere. Auf den beiden Inseln konnten 2026 genau 122 Rehkitze, sieben Damkälber und zwei Muffellämmer erfasst werden. Die meisten von ihnen konnten auch mit Ohrmarken markiert werden, so weist es die Internetseite des Jagdverbands aus.

95 Prozent des Jungwilds gerettet

Das Inselgebiet ist etwa dreimal so groß wie das Areal der Hegemeinschaft, das sich zwischen dem Randowbruch bei Löcknitz, den Brohmer Bergen und dem Stettiner Haff erstreckt. Ob die Zahl der gefundenen Kitze im Gebiet der Hegegemeinschaft kleiner, gleichgroß oder größer ist, lässt sich nur schwer sagen, da in der Uecker-Randow-Region keine Daten erfasst werden.

Das bestätigt die Revierjagdmeisterin Katja Selke vom Gut Klepelshagen (Deutsche Wildtierstiftung). Aber: „Im Durchschnitt können wir aber sagen, dass 95 Prozent des Jungwilds gerettet wird“, sagt sie in Bezug auf die Wiesen und Felder. Dabei gehe es nicht nur um Rehkitze. Wenn ehrenamtliche Helfer oder Jäger vor der Mahd von Grünland und der Getreideernte die Drohnen für die Suche starten lassen, dann gehe es immer auch um Rotkälber, Damkälber, junge Hasen oder um Frischlinge, die von den Bachen in gefährdete Bereiche geführt werden. In Spitzenzeiten habe das Gut Klepelshagen früher 30 Kitze auf einer Fläche von 200 Hektar entdecken können. Das hänge aber auch immer mit der Bestandsdichte des Wildes zusammen.

Gelege von Bodenbrütern gesichert

Bei der Drohnensuche, die das Gut seit 2020 praktiziert, würden immer auch Gelege vieler Bodenbrüter gesichert, erläutert Katja Selke. Sie nennt Gelege oder Jungvögel von Rebhühnern, Fasanen, Wachteln und Stockenten. Die Eier würden im Gut ausgebrütet und die Vögel später wieder ins Revier entlassen. In diesem Jahr habe es im Bereich des Gutes keine Gelegefunde gegeben.

Sehr gute Zusammenarbeit mit Landwirten

Die Zusammenarbeit mit den Landwirten, die zur Kitzrettung verpflichtet sind, schätzt die Revierjagdmeisterin als sehr gut ein. Im Bereich des Gutes gebe es gar keine Probleme. In der Region würden schätzungsweise 98 Prozent der Bauern mit Jägern, Drohnensuchteams und Ehrenamtlichen arbeiten. Es gebe aber immer noch schwarze Schafe.

Die geplanten Mähtermine sollten zwei bis drei Tage zuvor gemeldet werden, rät die Revierjagdmeisterin. Landwirte könnten helfen, indem sie Flächen einen Abend zuvor mit Drohnenbegleitung „ankabeln“. Das meint, einen Streifen am Rand anzumähen, so dass die Muttertiere ihre Kälber und Kitze nachts noch aus der Fläche führen könnten. Die eigentliche Kitzrettung passiere dann immer in den frühen Morgenstunden des Mähtags, meistens mit einem Drohnenpiloten und zwei bis drei Helfern.

Bei der Mahd sollte am besten auch nicht von außen nach innen gemäht werden, so Katja Selke. Wenn die Landwirte gleich in die Mitte der Fläche fahren und von dort mähen, würden die Tiere an den Rand gedrückt und könnten nach außen flüchten. Das Gut Klepelshagen bevorzuge seit einigen Jahren auch späte Mahdtermine ab dem 20. Juli. Dann seien die Jungtiere schon recht mobil. So seien im Bereich des Gutes in diesem Jahr auch nur fünf Kitze und zwei Rotkälber ausgemacht worden.