DDR-Star Manfred Krug: Requisiten aus Fürstenwerder für Doku-Film
Manfred Krug-Doku: Requisiten aus Fürstenwerder

Wenn im kommenden Jahr ein Film über den Schauspieler Manfred Krug ins Kino kommt, werden bei einigen Szenen Dekoartikel zu sehen sein, die aus dem uckermärkischen Fürstenwerder stammen. Das ist der Heimatort des Produzenten des Films. Torsten Reglin hat 2008 zusammen mit seiner Kollegin Roswitha Ester die Firma Ester-Reglin-Film gegründet.

Produzent besorgt Requisiten aus der Heimat

Eine der bedeutendsten Produktionen bisher war der Film „Kästner und der kleine Dienstag“, der in Koproduktion mit einer österreichischen Firma für die ARD produziert worden war. Jetzt steht Manfred Krug im Mittelpunkt des Geschehens. Der wäre im kommenden Jahr 90 Jahre alt geworden. Der DDR-Schauspieler, der 1977 in die BRD übersiedelte, starb 2016. Der Film beschäftigt sich mit dem Leben und Wirken, auch den Nachwirkungen von Manfred Krug, erläutert Torsten Reglin.

Altbauwohnung in Berlin-Charlottenburg ist Drehort

Der Film bildet die Kindheit in Duisburg in den 1940er/50er Jahren ab, behandelt die Übersiedlung in den Osten in den 1950er Jahren. Der Streifen thematisiert weiterhin Krugs Anfänge als Schauspieler, seine große Zeit als Sänger in der DDR, den Film „Spur der Steine“, den Protest gegen die Biermann-Ausbürgerung, seine Ausreise, den Neuanfang im Westen als Schauspieler, die große Popularität durch „Auf Achse“, „Tatort“ und „Liebling Kreuzberg“, aber auch seine Schattenseiten.

Wichtiger Bestandteil des Dokumentarfilms sind die Interviews mit den Kindern von Manfred Krug sowie Zeitzeugen. Gedreht wird in einer Altbauwohnung in Berlin-Charlottenburg. Und dort kommen die Requisiten aus Fürstenwerder zum Einsatz. Die Dreh-Wohnung ist nicht der Original-Krug-Wohnung 1:1 nachempfunden, aber mit Objekten aus dem Leben, den Arbeiten und dem Nachlass von Manfred Krug ausgestattet worden.

In ganz Ost-Berlin Koffer gekauft

Die Wohnung bildet einen Erinnerungsraum, in dem einerseits die Interviews stattfinden, aber in dem auch immer wieder Bezüge zum Archivmaterial hergestellt werden können. Es gibt zum Beispiel ein berühmtes Foto von Krug kurz vor der Ausreise 1977, auf dem er mit zwei seiner Kinder zu sehen ist. Vor ihnen stapeln sich dutzende Koffer, erinnert sich Torsten Reglin. Karierte Koffer, Kunstlederkoffer, Pappkoffer. „Die Krug-Kinder erzählten, sie hatten von der Genehmigung bis zum Tag der Ausreise nur wenige Tage Zeit zum Packen. Umzugskartons im Baumarkt konnte man damals nicht kaufen. Daher ist die Familie in ganz Ost-Berlin herumgefahren und hat Koffer gekauft, in die sie alles packen konnten. Und darum haben wir uns, auch in Fürstenwerder, dutzende Koffer besorgt, die wir als Requisiten in der Wohnung aufgestapelt haben“, verrät der Produzent, der etwa 20 DDR-Koffer, zum Teil aus dem örtlichen Museumsdepot, teilweise auch von Freunden aus Fürstenwerder mitgenommen hat.

Überdies kommen aus Fürstenwerder am Drehort viele andere Stücke zum Einsatz: mehrere Schreibmaschinen, Radios, Fernseher, alte Telefone, Globen aus verschiedenen Dekaden, zwei kleine Kinderhandwagen sowie ein Kaffee-Service aus Silber, das es auch bei den Krugs gegeben hat.

Interviews mit den Krug-Kindern

Regie führt übrigens Luzia Schmid, deren Dokumentarfilm über Hildegard Knef („Ich will alles“) im letzten Jahr sehr erfolgreich im Kino lief. Schauspieler kommen nicht zum Einsatz, es ist ein „reiner“ Kinodokumentarfilm. Die Firma von Torsten Reglin produziert den Film in Kooperation mit dem Sender rbb. Und es ist auch nicht üblich, dass der Produzent die Requisiten besorgt. „Aber in diesem Fall folgerichtig“, findet der gebürtige Fürstenwerderer und verdeutlicht, dass im Gegensatz zu einem „normalen“ Dokumentarfilm viel mehr Aufwand und Sorgfalt in diese Ausstattung gesteckt werden muss.

Auch die Familie Krug hat den Dokumentarfilmern vertrauensvoll persönliche Dinge überlassen, die durch die Stücke aus dem Museum in Fürstenwerder ergänzt wurden. „Ich wusste natürlich, dass Henning Ihlenfeldt (Leiter des Museums in Fürstenwerder) genau wie Manfred Krug eine große Sammelleidenschaft für historische Objekte hat. Es ist dabei für uns nicht so entscheidend, ob Krug genau dieses Objekt auch besessen hat. Wir mischen Objekte aus dem realen Nachlass mit anderen. Der Zusammenhang stellt sich dann auf der filmischen Ebene her“, erläutert der studierte Theaterwissenschaftler.

Visuell lebt der Film von Archivaufnahmen mit und ohne Manfred Krug. Interviews mit ihm sind eine wichtige Quelle, aber auch seine frühen DDR-Filme, allen voran „Spur der Steine“ und „Daniel Druskat“, und später der ARD-Film „Abgehauen“ sollen Akzente setzen. Ergänzt wird die Dokumentation durch Gespräche mit seinen Kindern Daniel und Fanny Krug, aus der ersten Ehe mit Ottilie Krug. Zudem kommt Marlene Duda, die viel jüngere Tochter aus Krugs Beziehung mit der Schauspielerin Petra Duda, zu Wort, ist im Film-Essay zu lesen.