Bei der Verleihung der „Goldenen Henne 2026“ in Leipzig hat der Förderverein Kinder- und Jugendhospiz Leuchtturm e.V. aus Greifswald in der Kategorie Charity den Preis erhalten. Moderator Florian Silbereisen überreichte die Auszeichnung am Sonnabend. Den Preis nahm Schatzmeisterin Marlis Rüchel entgegen, begleitet von ehrenamtlichen Familienbegleiterinnen und einer Mutter, deren Sohn Tim schwerstbehindert ist.
Ein Verein, der Familien seit Jahren begleitet
Der Verein betreut die Familie seit Jahren. In einem Einspieler gewährt die zweifache Mutter Einblick in ihr Leben. Ihr Sohn Tim kann nicht laufen, nicht alleine essen, und das Atmen fällt ihm schwer. Tims Gehirn ist nicht normal gefaltet. Der Elfjährige benötigt Unterstützung. Für Schwesterchen Maike bleibt oft wenig Zeit.
„Obwohl mir immer gesagt wird: ‚Das brauchst du doch gar nicht.‘ Doch, ich habe immer ein schlechtes Gewissen, nie 100 Prozent da zu sein. Obwohl – eigentlich bin ich immer 100 Prozent da. Ich habe keine Hobbys. Ich bin immer da“, erzählt die Mutter.
Als sich Tims Gesundheitszustand dramatisch verschlechterte, stieß sie an ihre Grenzen. 48 traumatische Stunden lang kämpfte der Junge um sein Leben. „In der Zeit habe ich eine Telefonnummer gewählt und gesagt: Ich brauche jemanden zum Reden. Ich muss reden und ich muss über all meine Emotionen und Gefühle, alles, was passiert ist, sprechen. Ich brauche einfach jemanden an meiner Seite.“ Sie rief beim Leuchtturm-Verein in Greifswald an.
Wenn der Vater ausfällt
Genau so erging es Claudia und Mike, die sich tagtäglich hingebungsvoll um ihre Tochter Julia kümmern. Der Vater fiel gesundheitsbedingt aus und musste kurzfristig für acht Wochen ins Krankenhaus. Seine Frau stand alleine mit dem behinderten Mädchen da. „Natürlich ist es ganz schwer, jemanden zu finden, der dann einspringen kann und sich wirklich liebevoll kümmert.“ Nach seinem Anruf beim Leuchtturm-Verein stellten sechs ehrenamtliche Familienbegleiter sich sofort für Julia zur Verfügung.
Stationäres Hospiz in Sicht
Zwischen Rügen und Neubrandenburg engagieren sich insgesamt 33 Ehrenamtliche, die die ambulante Kinderhospizarbeit unterstützen und dafür geschult wurden. Der Förderverein gründete sich 2010. Als nächsten Schritt plant der Verein ein stationäres Kinderhospiz. Eine solche Einrichtung existiert in Mecklenburg-Vorpommern bisher nicht. Das Haus der Diakonie stünde als Objekt bereit, doch es fehlt noch das Geld. „Das Ziel ist zum Greifen nah, wenn das notwendige Geld zeitnah zusammenkommt. Wir könnten innerhalb sehr kurzer Zeit, in anderthalb Jahren, dieses Haus mit Leben erfüllen. Wir machen es ja nicht für uns, sondern für die Familien – sie haben es verdient“, heißt es im Einspieler.
Robert Dahl spendet 25.000 Euro
Der Verein kann nun einen kleinen Schritt nach vorn machen. Robert Dahl, Gründer der Karls Erlebnis-Dörfer, überreichte dem Verein bei der Preisverleihung einen Scheck. Dahl stand sichtlich bewegt auf der Bühne und sagte: „Ich habe mir fest vorgenommen, euch gleich hinter der Bühne meine Handynummer zu geben. Ruft mich jederzeit an, ich helfe euch, wo wir können.“ Er überreichte einen Scheck über 25.000 Euro und ergänzte: „Ich bin sehr dankbar, dass wir euch und das, was ihr Wunderschönes tut, unterstützen dürfen. Ich habe auf der Homepage gelesen, dass ihr ein Motto habt: ‚Weil jeder glückliche Tag zählt.‘ Das beschreibt es besser, als man es anders ausdrücken könnte. Ich bin dankbar, dass ich so etwas hier überreichen kann und dass die vielen Besucher in den Karls Erlebnis-Dörfern mir ermöglichen, hier zu stehen“, so Robert Dahl.
Im vergangenen Jahr überreichte Robert Dahl im Rahmen der „Goldenen Henne“ 25.000 Euro an die Gründerinnen der Klinik-Konzerte. Der Verein bringt seit 2011 schwerkranken Kindern Musik direkt ans Krankenbett und verwandelt die Krankenzimmer der jungen Patienten in kleine Konzertsäle. Namhafte Musiker treten ohne Gage auf, um den Kindern und ihren Familien eine Freude zu bereiten.