Vom Standesamt zur Kanzel: Ehrenamtlicher Prediger in Kratzeburg
Vom Standesamt zur Kanzel: Ehrenamtlicher Prediger

Lutz Pietschmann aus Kratzeburg ist ehrenamtlicher Prädikant der evangelischen Kirche. Hauptberuflich arbeitet er als Standesbeamter in Neustrelitz. Seine Aufgabe ist es, Gottesdienste zu ergänzen und zu vertreten, wo Pfarrer nicht überall sein können.

Vom Standesamt zur Kanzel

Das Reden vor größeren Gruppen ist dem Kratzeburger nicht fremd, dennoch trennt er beides strikt. „Hochzeitspaare wollen ja beim Standesamt andere Reden hören“, sagt er mit einem Lächeln. Aus heutiger Sicht sei die Entscheidung, Prädikant zu werden, richtig gewesen. Die dreijährige Ausbildung begann 2018.

Zuvor war er im Lektoren-Dienst tätig. Pastorin Katharina Rosenow von der Kirchengemeinde Neustrelitz-Kiefernheide schlug ihm die Ausbildung vor. Nach Bedenkzeit bewarb er sich bei der Nordkirche in Hamburg. Mit Lebenslauf und Glaubenslebenslauf wurde er angenommen.

Ausbildung und Berufung

Nach einem Workshop zum Bibeltext-Auslegen startete die Ausbildung am Himmelfahrtswochenende 2018. An mehreren Wochenenden im Jahr folgten Schulungen, am Jahresende sollte er seine Erfahrungen aufschreiben. Der Abschlussgottesdienst fand in der Gemeinde statt, die sich dazu äußern konnte. Ein geplantes Abschlusswochenende wurde wegen Corona auf August 2021 verschoben. In seinen Dienst wurde er von Pröbstin Britta Carstensen berufen, der Eröffnungsgottesdienst folgte in Kratzeburg.

Als Prädikant darf er das Heilige Abendmahl einleiten und austeilen. Er arbeitet für die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Neustrelitz-Kiefernheide, zu der auch Kratzeburg gehört. Für Pastorin Rosenow ist er oft Kranken- und Urlaubsvertretung, etwa beim Dankgottesdienst nach dem Großbrand im Müritz-Nationalpark.

Gemeinde erreichen

„Wir müssen als Kirche rausgehen. Wir dürfen nicht erwarten, dass jemand kommt“, betont Lutz Pietschmann. Seine ehrenamtliche Funktion helfe, Menschen in kleineren Orten zu erreichen. Er bringe vor Gott, was ihn beschäftigt, und komme so aus dem Alltag heraus.

Zusatzmodule ermöglichen Prädikanten, auch Eheschließungen und Beerdigungen durchzuführen. Im Oktober will Pietschmann einen Kurs für seelsorgerische Gespräche besuchen, um die Zusatzausbildung für Beerdigungen zu machen. Er ist zufrieden mit der Kirchengemeinde und der Zusammenarbeit: „Ich kann mich nicht beklagen.“