Ein Oberarzt der Universitätsmedizin Rostock (UMR) hat offenbar über Jahre hinweg unter Klarnamen menschenverachtende, rassistische und gewaltverherrlichende Beiträge in den Sozialen Medien veröffentlicht. Nachdem die Initiative „HoGeSatzbau“ die Vorfälle am 25. August öffentlich machte, stellte die Klinikleitung den Mediziner umgehend frei und erstattete Anzeige. Der Arzt bestätigte den Verdacht gegenüber der Klinik.
Hinweise aus dem Klinikumfeld
Ob es bereits vor der Veröffentlichung Warnsignale gab, ist unklar. In Kommentaren unter der ersten Stellungnahme der UMR und aus dem kollegialen Umfeld des Arztes gibt es Andeutungen, dass es frühere Hinweise auf Fehlverhalten gegeben haben könnte. Kritisiert wird etwa sein Einsatz in der Lehre, zudem habe er in der Vergangenheit „kritische Scherze“ gemacht.
Frauke „Kiki“ Seeba von „HoGeSatzbau“ teilte dem Nordkurier mit, dass sich nach der Veröffentlichung Personen aus dem Klinikumfeld bei den Aktivisten gemeldet hätten. Diese hätten angegeben, dass der Fall offenbar kein Einzelfall gewesen sei. Der Arzt selbst hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert.
UMR-Sprecher: Keine Beschwerden beim Vorstand
Auf Anfrage des Nordkurier, ob in der Vergangenheit Beschwerden gegen den Oberarzt vorlagen, antwortete UMR-Sprecher Stefan Menzel: „Dem Vorstand liegen im aktuell berichteten Sachverhalt keine entsprechenden Beschwerden vor.“ Der Vorstand nehme Hinweise auf mögliches Fehlverhalten von Mitarbeitern sehr ernst.
Grundsätzlich müssten alle Mitarbeiter einen umfassenden Verhaltenskodex unterschreiben, der jedwede Diskriminierung untersage, so Menzel. „Diskriminierungsfreiheit ist für uns Überzeugung und zentraler Teil unseres Versorgungsauftrags. Sie gilt in beide Richtungen: Gegenüber den Menschen, die sich uns anvertrauen, und gegenüber unseren Beschäftigten.“
Gewaltschutzkonzept in Arbeit
Die UMR arbeitet derzeit an einem Gewaltschutzkonzept, das unter anderem grenzverletzendes Verhalten und psychische Gewalt wie Erniedrigungen, Beleidigungen und Drohungen behandelt. Zudem entsteht ein umfassendes Präventionskonzept. Schulungen zu Antidiskriminierung, Sensibilisierung, Vielfalt und Chancengleichheit werden angeboten, sind aber offenbar nicht für alle verpflichtend.
Im vergangenen Jahr wurde zusätzlich zur Position des Gleichstellungsbeauftragten eine Beschwerdestelle eingerichtet. Die bestehenden Melde- und Qualitätsmanagement-Pfade würden regelmäßig geprüft. „Auch nach dem aktuellen Vorfall werden wir sie erneut prüfen und bei Bedarf anpassen“, kündigte Menzel an. Die UMR will den Fall umfassend aufarbeiten, die juristische und berufsrechtliche Klärung werde allerdings „noch etwas Zeit in Anspruch nehmen“.