Enrico Schult (AfD) hat sich in Mecklenburg-Vorpommern an die Spitze seiner Partei gekämpft: Der 47-jährige Vermessungstechniker ist Parteivorsitzender, Spitzenkandidat und Fraktionsvorsitzender im Landtag. Als Vorsitzender der Programmkommission prägte er maßgeblich das AfD-Wahlprogramm zur Landtagswahl 2026.
Der Aufstieg des Enrico Schult
Schult gehört seit 2021 dem Landtag an. Er zog mit dem damals einzigen Direktmandat der AfD ins Parlament ein und entwickelte sich innerhalb weniger Jahre vor allem als Bildungs- und Finanzpolitiker zu einer prägenden Figur seiner Partei im Land. Politisch wurde er zunächst dem Umfeld des Bundestagsabgeordneten Enrico Komning zugerechnet.
In einer Kampfkandidatur setzte er sich als Spitzenkandidat gegen den damaligen Fraktionsvorsitzenden Nikolaus Kramer durch. Anschließend übernahm er den Vorsitz der Landtagsfraktion und gewann damit maßgeblichen Einfluss auf Strategie, Personalentscheidungen und Programmatik der Landespartei.
Positionen und Kontroversen
Schult weist den Vorwurf zurück, die AfD Mecklenburg-Vorpommern werde von völkisch-nationalistischen Positionen geprägt. Er betont regelmäßig, das Landesprogramm richte sich an konservative Wähler und sei in wesentlichen Teilen auch für ehemalige CDU-Anhänger anschlussfähig.
Politische Wettbewerber von der Linken bis zur CDU kritisieren dagegen eine unzureichende Abgrenzung gegenüber Personen mit rechtsextremem Hintergrund in Partei und Fraktion. Schult verweist in diesen Fällen auf persönliche Entwicklungen der Betroffenen und deren heutige Arbeit.
Inhaltlich vertritt Schult klassische AfD-Positionen, versucht diese jedoch häufig moderater zu formulieren. So fordert er die Kündigung des Rundfunkstaatsvertrags mit dem Ziel einer grundlegenden Neuordnung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Den Begriff „Remigration“ verbindet er mit der Rückführung ausreisepflichtiger Ausländer, während Menschen mit rechtmäßigem Aufenthaltsstatus sowie qualifizierte Zuwanderer nach seiner Darstellung dauerhaft in Deutschland bleiben können sollen.
Wahlprogramm und zentrale Forderungen
Als Vorsitzender der Programmkommission prägte Schult das Landtagswahlprogramm der AfD Mecklenburg-Vorpommern maßgeblich mit. Dieses gilt als weniger konfrontativ formuliert als das Wahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt.
Zu den zentralen Forderungen gehört der Wiedereinstieg in die Atomenergie und die Wiederinbetriebnahme der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 nach einem Ende des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine – eine Position, die auch das BSW in Mecklenburg-Vorpommern vertritt.