Landtagswahl 2026: So wollen die Parteien das Leben in den Dörfern erhalten
Landtagswahl 2026: Parteien und das Leben in den Dörfern

Der ländliche Raum und die Demografie prägen die Programme der Parteien zur Landtagswahl 2026 in Mecklenburg-Vorpommern. Als dünn besiedeltes Flächenland steht MV vor der Herausforderung einer schrumpfenden Bevölkerung: Junge Menschen wandern ab, die Gesellschaft altert, und um den Erhalt der Infrastruktur in der Fläche wird gerungen. Alle Parteien betonen die Notwendigkeit gleichwertiger Lebensverhältnisse in Stadt und Land und liegen dabei nah beieinander. Die Unterschiede zeigen sich in Detailfragen.

SPD: Starker Staat vor Ort und beitragsfreie Kita

Die SPD bezeichnet lebendige Dorfmitten als „zentralen Teil unseres Landes“ und will dort Versorgung, soziales Miteinander und Austausch sichern. Um junge Menschen zu halten, setzt sie auf kostenfreie Bildungsangebote, insbesondere die dauerhafte Sicherung der beitragsfreien Kita. Senioren- und Azubi-Ticket sollen fortgeführt werden, um Mobilität bezahlbar zu machen. Für den ländlichen Raum und Großwohnsiedlungen „mit besonderen sozialen Herausforderungen“ verspricht die SPD einen „starken Staat vor Ort“, der sichtbar, erreichbar und handlungsfähig sein soll. Ein konsequentes Tariftreuegesetz soll gute Arbeit und faire Löhne fördern, die medizinische Versorgung und Pflege in der Fläche durch staatliche Unterstützung stabilisiert werden.

AfD: Baby-Begrüßungsgeld und Auto als Rückgrat

Die AfD sieht die historisch niedrige Geburtenrate in MV als Bedrohung für den Status quo. Zur „demografischen Wende“ fordert sie eine aktivierende Familienpolitik und die Stärkung traditioneller Familienstrukturen. Geplant ist ein „Baby-Begrüßungsgeld“ von 3000 Euro für Staatsbürger mit Hauptwohnsitz in Mecklenburg-Vorpommern. Die Partei setzt auf wohnortnahe Grundschulen, ähnlich einer Dorfschule, die auch Abteilung größerer Schulverbünde sein könnte. Der Ärztemangel sei laut Parteiprogramm größer, als offizielle Statistiken zeigten; Nachwuchsmediziner sollen mit mehr Anreizen angelockt werden. Verkehrspolitisch bekennt sich die AfD zum Auto als Rückgrat der Mobilität auf dem Land – Autofahren müsse ohne „ideologische Schikanen“ erschwinglich bleiben.

CDU: Experimentierklauseln und Rufbus-Garantie

Die CDU versteht den ländlichen Raum nicht als Randgebiet, sondern als wirtschaftliches Rückgrat des Bundeslandes. Mit Experimentierklauseln sollen Kommunen stärker zusammenarbeiten können, um handlungsfähig zu bleiben. Mehr Spielraum soll es bei der Entwicklung von Dorfkernen, Gewerbe- und Industriegebieten geben. Gemeinsam mit anderen Flächenländern will die CDU ein Bundesgesetz für gleichwertige Lebensverhältnisse erreichen, mit Indikatoren, die regionale Unterschiede messbar machen. Ein Beauftragter für sozialen Zusammenhalt soll Einsamkeit begegnen, 100 zusätzliche Studienplätze dem Mangel an Landärzten entgegenwirken. Eine Rufbus-Garantie soll jedes Dorf verlässlich anbinden, das Haltepunkt-Sterben gestoppt werden.

Linke: Wohnraum und Reaktivierung von Bahnstrecken

Die Linke fokussiert sich auf soziale Gerechtigkeit und Daseinsvorsorge. Gegen die Abwanderung der Jugend sollen Investitionen in Jugendarbeit, Kultur und bessere Mobilität helfen. Der gesellschaftlichen Alterung will die Partei mit dem Ausbau kommunaler und genossenschaftlicher Wohnungsunternehmen begegnen, damit ältere Menschen bezahlbaren, barrierefreien Wohnraum finden. Die Linke setzt sich für die Reaktivierung von Bahnstrecken ein, damit Menschen ohne Auto nicht von gesellschaftlicher Teilhabe abgeschnitten werden. Programme für Dorfkneipen oder kulturelle Treffpunkte sollen Orte der Gemeinschaft fördern.

Grüne: Vergünstigtes Ticket und ökologische Landwirtschaft

Die Grünen verbinden Demografie und ländlichen Raum mit Klima- und Naturschutz. Sie fordern ein deutlich vergünstigtes Deutschlandticket für Senioren, Auszubildende und Menschen in Grundsicherung sowie ein kostenfreies U27-Ticket für junge Menschen. Der ÖPNV soll bis 2035 landesweit barrierefrei ausgebaut und durch lokale Mobilitätsstationen sowie sichere Fuß- und Radwege ergänzt werden. Für lebendige ländliche Räume setzen die Grünen auf Naturschutz, etwa den Erhalt einer sauberen Ostsee, und fördern junge Existenzgründer in der ökologischen Landwirtschaft durch spezielle Fonds. Programme sollen Dorfkerne beleben und die Sanierung alter Gebäude unterstützen, damit mehr Menschen von der Stadt auf das Land ziehen.

FDP: Digitale Infrastruktur und Führerschein-Zuschuss

Die FDP sieht den Schlüssel in Innovation und Bürokratieabbau. Was vor Ort entschieden werden kann, soll auch dort erledigt werden. Der Rückzug von Strukturen aus der Fläche dürfe nicht die einzige Antwort auf die demografische Entwicklung sein. Die Liberalen fordern einen zügigen und lückenlosen Ausbau der digitalen Infrastruktur, der in ländlichen Regionen oft mangelhaft ist. Ein Führerschein-Zuschuss für junge Menschen, die sich im Ehrenamt engagieren, soll Mobilität und gesellschaftliches Engagement fördern. Die FDP hält den Führerschein ab 16 für möglich und setzt auf individuelle Mobilität. Projekte mit Telemedizin sollen die hausärztliche Versorgung stärken.

BSW: Medizinische Versorgung und Bleibeperspektiven

Das BSW nennt den ländlichen Raum in seinem Programm am häufigsten und knüpft ihn an fast jedes Thema. Oberste Priorität ist eine wohnortnahe, gut erreichbare medizinische Versorgung angesichts einer rasant alternden Bevölkerung. Pflege müsse würdevoll gestaltet sein und dürfe nicht in die Armut führen. Ein weiterer Schwerpunkt ist eine verlässliche Basisinfrastruktur – von sicheren Straßen und gepflegten Brücken bis zu Bussen und Bahnen, die erreichbar und pünktlich sind. Das BSW setzt auf die gezielte Förderung lebendiger Dörfer und stabiler regionaler Wirtschaftskreisläufe, um jungen Leuten sichere Bleibeperspektiven zu bieten. Das Thema Abwanderung verknüpft die Partei mit gestiegener Einsamkeit und will das gesellschaftliche Miteinander stärken, besonders Senioren seien von Ausgrenzung und dem Verlust sozialer Kontakte betroffen.