Am Schweriner See sind neue Superhelden im Einsatz: Das Team der Natura-2000-Station „Schweriner Seen“ will Wassersportler, Angler, Landwirte, Kommunen und Naturschützer an einen Tisch bringen, um die gefährdete Tier- und Pflanzenwelt zu schützen. Die Station ist in die Naturschutzstation Zippendorf eingezogen und betreut das Europäische Vogelschutzgebiet, das sich von der Störtal-Niederung bis nach Bad Kleinen erstreckt.
Ein großes Revier für ein kleines Team
„Unsere Natura-2000-Station ist jetzt Knotenpunkt für das Europäische Vogelschutzgebiet ‚Schweriner Seen‘, das es ja schon ein paar Jahre gibt“, sagt Biologin Ute Becker vom BUND Mecklenburg-Vorpommern, die die Station leitet. Sie betont, dass es nicht nur um Wasserflächen geht – fast genauso viel Fläche des Schutzgebiets liegt an Land.
Becker ist derzeit damit beschäftigt, verschiedene Interessengruppen zusammenzubringen. „Wir wollen, dass Wassersportler, Angler, Landwirte, Kommunen und Naturschützer an einem Strang ziehen, statt sich gegenseitig auszuspielen“, erklärt sie. Es gehe nicht darum, jemanden komplett vom Wasser zu verbannen, sondern um kluges Timing und Rücksicht an den empfindlichen Uferzonen.
Haubentaucher als besonderes Anliegen
Viele Vogelarten haben es laut BUND Mecklenburg-Vorpommern zunehmend schwerer, am Schweriner See ein ruhiges Plätzchen zum Brüten zu finden – darunter Haubentaucher, Rohrdommel, Neuntöter und Wachtelkönig. Besonders am Herzen liegt Becker der Haubentaucher: „Der Schweriner See beherbergt immerhin die größte Haubentaucher-Brutpopulation in ganz MV. Das ist großartig. Sein Nest baut dieser Vogel als eine Art schwimmende Wasserburg im Schilf. Rauscht dann ein Motorboot zu dicht vorbei oder schlagen die Wellen zu hoch, kann das Nest beschädigt werden oder ein Ei ins Wasser rutschen.“
Von Juli bis Ende September ist der Haubentaucher besonders angreifbar. „Während seiner Mauser kann er bis zu vier Wochen lang gar nicht fliegen“, so die Biologin. „Das ist schon sehr ungewöhnlich.“
Auftakt mit 50 Teilnehmern und erste Führung
Bei der Auftaktveranstaltung der Natura-2000-Station kamen 50 Interessierte zusammen – darunter Wassersportler, Angler, Landnutzende, Ornithologen, Gewerbetreibende sowie Vertreter aus Kommunen und Behörden. „Viele sind einfach froh, dass es jetzt endlich losgeht“, sagt Ute Becker. Das Projekt „Natura 2000“ besteht bereits seit den 1990er Jahren und umfasst ein Netz aus Naturschutzgebieten in ganz Europa.
Seit 2020 gibt es zudem eine freiwillige Vereinbarung zwischen Wassersportlern und Naturschützern, in der sich Vereine von Seglern bis Motorbootfahrern bereit erklären, zehn Verhaltensregeln einzuhalten, um brütende Wasservögel in Schilfgürteln zu schützen. „Manche Vereine sind sogar schon selbst aktiv und versuchen an gewissen Uferstellen wieder Schilf anzusiedeln, das ja seit Jahren auf dem Rückzug ist“, so die Biologin.
Am 29. August bietet Ute Becker ihre erste Natur- und Vogelführung an. Um 10 Uhr geht es von der Naturschutzstation in Zippendorf am Ufer entlang bis nach Mueß. Zuvor war sie Rangerin im Naturschutzgebiet Riedensee bei Kühlungsborn, wo sie in den letzten Jahren 160 Führungen gegeben hat. Bei den Führungen soll es laut Becker vor allem darum gehen, dass Menschen verstehen, warum bestimmte Regeln sinnvoll sind – etwa, dass ein Hund während der Brutzeit ins Schilf laufen kann und brütende Vögel daraufhin das Revier meiden.
Daten sammeln und Lebensräume beobachten
Die Station zählt und dokumentiert Vögel, sammelt Daten und untersucht Lebensräume. Über die neue Webseite natura2000-station-sn.seen.de können Einheimische Hinweise geben, was auf und an den Seen verbessert werden könnte. Unterstützt wird das Team vom Landschaftspflegeverband Sternberger Endmoränengebiet, von ISSU Umweltmanagement und vom Büro für Umweltplanung. Finanziert wird das Projekt mit Mitteln der Europäischen Union und des Landes Mecklenburg-Vorpommern.
Das Team von Ute Becker will dafür sorgen, dass Haubentaucher & Co. nicht weiter „auf gepackten Koffern“ sitzen müssen, sondern in Ruhe zu Hause bleiben können.