MVs Wirtschaft: Aufschwung trifft auf Dauerkrise – die größten Baustellen
MVs Wirtschaft: Aufschwung und Dauerkrise – die Baustellen

Die wirtschaftliche Lage in Mecklenburg-Vorpommern bleibt angespannt, obwohl das Land 2025 beim Wachstum bundesweit führte. Das Bruttoinlandsprodukt stieg preisbereinigt um 1,4 Prozent auf 63,6 Milliarden Euro. Im Jahr zuvor war die Wirtschaftsleistung nach einer Revision um 0,3 Prozent gesunken. Fünf Jahre mit Krisen wie Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg, explodierenden Energiepreisen und hoher Inflation haben die Investitionsbereitschaft vieler Unternehmen gedämpft.

Industrie und Bau weiter unter Druck

Besonders Industrie und Baugewerbe leiden unter schwacher Nachfrage, steigenden Arbeitskosten und wachsender Bürokratie. Die jüngste Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammern zeigt das Ausmaß: Anfang 2026 bewerteten nur 30 Prozent der befragten Unternehmen ihre Geschäftslage als gut, etwa 20 Prozent als schlecht. Als größte Risiken nannten 63 Prozent die Arbeitskosten, 59 Prozent Energie- und Rohstoffpreise und 53 Prozent die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen.

Auch der Arbeitsmarkt steht vor einem Spagat. Im August 2026 waren 64.200 Menschen arbeitslos gemeldet, die Quote lag bei 7,8 Prozent. Gleichzeitig fehlen in vielen Branchen Fachkräfte. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sank zuletzt um 3300 auf 571.900. Besonders im verarbeitenden Gewerbe, Bau und Handel gingen Arbeitsplätze verloren, während Gesundheits- und Sozialwesen weiter wuchsen.

Die wirtschaftspolitischen Baustellen

Die zentralen Herausforderungen sind Fachkräftemangel und demografischer Wandel, hohe Energie- und Arbeitskosten, langsame Genehmigungen und Bürokratie sowie fehlende Investitionen. Zudem stellt sich die Frage, wie sich MV wirtschaftlich breiter und unabhängiger aufstellen kann. Das Wachstum 2025 kam vorwiegend aus einzelnen Bereichen der Industrie und ist noch keine Garantie für einen dauerhaften Aufschwung.

Die Parteien im Landtagswahlkampf haben unterschiedliche Rezepte. Die SPD setzt auf einen starken Staat als Partner, Bürokratieabbau und einfachere Förderprogramme. Die AfD fordert bezahlbare Energie, weniger Bürokratie und einen Wiedereinstieg in die Kernenergie. Die CDU verspricht eine wirtschaftspolitische Wende mit einem Strombonus von 30 Euro pro Einwohner und Jahr sowie einer Azubi-Prämie von 3000 Euro. Das BSW will einen aktiveren Staat, regionale Wertschöpfung und bezahlbare Energie. Die FDP strebt eine „Wirtschaftswende“ mit weniger staatlichen Vorgaben und mehr unternehmerischer Freiheit an. Die Linke verbindet Wirtschaftspolitik mit guter Arbeit, Tarifbindung und sozialer Sicherheit. Die Grünen setzen auf günstigen grünen Strom, maritime Wirtschaft und Bioökonomie.

Entscheidend wird sein, welche Partei ihre Rezepte nach der Wahl tatsächlich umsetzen kann.