Dem 160-Einwohner-Dorf Dannenwalde in Brandenburg gelang etwas in Deutschland Einmaliges: Der Bahnhof an der Hauptverkehrsachse zwischen Berlin und Stralsund beziehungsweise Rostock wurde vor 30 Jahren stillgelegt – und ein Jahr später wieder eröffnet. Das 30. Jubiläum der Wiedereröffnung wurde nun gefeiert.
Warum die Reaktivierung gelang
Ausschlaggebend für die Reaktivierung waren die Fahrgastzahlen – etwa 120 am Tag – und die Verknüpfung mit anderen Verkehrsmitteln wie Bussen, erklärt Aud Krubert aus dem brandenburgischen Infrastruktur-Ministerium. Die Kosten für eine solche Reaktivierung ließen sich nicht pauschal beziffern, da sie von vielen Faktoren abhängen, etwa der Anzahl der Bahnsteige, Rampen, Treppen oder Aufzügen.
Nachteile und Grenzen
Bei der Entscheidung für eine Reaktivierung müsse auch abgewogen werden zwischen den Vorteilen für die Fahrgäste an der neuen Station und den Nachteilen für die bislang durchfahrenden Fahrgäste, so Krubert. Längere Fahrzeiten und mögliches Verpassen von Anschlusszügen seien zu bedenken. In Brandenburg kämen derzeit nur vier weitere Bahnhöfe für eine Wiederinbetriebnahme infrage: Heidefeld, Kiekebusch, Bornim-Grube und Haida. Für diese laufen Machbarkeitsstudien.
Sonderfall Dannenwalde
Der Bahnhof Dannenwalde sei vor drei Jahrzehnten ein Sonderfall gewesen, erklärt Krubert. Er profitierte davon, dass nur etwa ein Jahr lang keine Züge hielten, vom 28. Mai 1995 bis zum 1. Juni 1996. Die vorhandene Station an alter Stelle konnte genutzt werden. Stationen, die seit Jahrzehnten nicht mehr genutzt werden, entsprechen kaum noch heutigen Anforderungen und müssten meist neu gebaut werden.
Lage und Kosten
Nach Auskunft von Jonas Bohl aus dem mecklenburgischen Infrastruktur-Ministerium war auch die Lage relevant: Von Dannenwalde ist der Berliner Hauptbahnhof in etwa 50 Minuten erreichbar, was für Pendler interessant ist. Für Adamsdorf würde die Fahrzeit etwa 90 Minuten betragen. Für die Reaktivierung eines Haltepunkts sei von Investitionskosten in Höhe eines niedrigen einstelligen Millionenbetrags auszugehen. Auf Nebenstrecken wie Neustrelitz–Feldberg lägen die Kosten deutlich über 10 Millionen Euro.
Ehrenamtlicher Einsatz
Bernd Schlagk, Vorsitzender des Vereins Umweltbahnhof Dannenwalde, der den Bürgerprotest vor 30 Jahren mit initiierte, sagt: „Was wir geschafft haben, schaffen auch andere.“ Der reine Unterhalt des Bahnhofsgebäudes schlage jährlich mit 5000 bis 6000 Euro zu Buche, finanziert aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. „Die Gemeinde Dannenwalde könnte den Bahnhof nicht bewirtschaften. Hauptamtlich funktioniert so etwas heute nicht mehr. Das ist nur mit ehrenamtlichem Engagement möglich.“