Haushaltskrise im Landkreis Rostock: 30.000 Sportler betroffen
Haushaltskrise bedroht 30.000 Sportler im Landkreis Rostock

Im Landkreis Rostock ist die Auszahlung von Fördermitteln für Sportvereine derzeit gestoppt. Grund ist die abgelehnte Nachtragshaushaltssatzung, weshalb die Kreisverwaltung keine neuen finanziellen Verpflichtungen bei freiwilligen Leistungen eingehen darf. Davon betroffen ist auch die kommunale Sportförderung.

Kreissportbund warnt vor drei Szenarien

Der Kreissportbund Landkreis Rostock (KSB) hat in einem Appell an die Kreistagsfraktionen auf die Lage hingewiesen. Die Pro-Kopf-Förderung für Kinder- und Jugendarbeit könne derzeit nicht ausgezahlt werden. Neue Bewilligungen für Projektmittel und investive Zuschüsse seien ausgesetzt, Zuschüsse zu Personalkosten würden nicht angewiesen.

In einem Informationsschreiben an seine Mitglieder nennt der KSB drei mögliche Szenarien: eine verspätete Auszahlung der Mittel, eine verspätete und gekürzte Auszahlung oder den vollständigen Ausfall der Förderung. Nach Gesprächen mit der Verwaltung sei auch das dritte Szenario nicht auszuschließen. Dies erschwere die Planung in den 212 Sportvereinen mit mehr als 30.000 Mitgliedern erheblich.

Gespräche ohne Ergebnis

Der KSB hatte bereits frühzeitig das Gespräch mit der Kreisverwaltung gesucht. Am 3. Juli 2026 fanden erste Gespräche bei der Sportlerehrung statt, am 13. Juli traf sich der Vorstand mit Vertretern des Landkreises. Ein Ergebnis gab es nicht. Der Austausch solle fortgesetzt werden. Der Verband betont, die Situation sei nicht durch die Verwaltung verursacht; die Gespräche liefen offen und konstruktiv.

Die Vereine werden aufgefordert, die Kreistagsfraktionen direkt anzuschreiben und konkrete Probleme zu schildern. Aus Sicht des KSB könne eine Vielzahl von Eingaben die Entscheidungsfindung im Kreistag beeinflussen.

Politische Reaktion

Die Kreistagsfraktion Die Linke hat auf den Appell reagiert. Sie teilt die Sorgen der Sportvereine und kritisiert die blockierende Haltung von CDU und AfD beim Nachtragshaushalt. Ein bereits ausgehandelter Kompromiss zur Absicherung der Infrastruktur sei gescheitert. Die Linke ruft alle Fraktionen auf, die Sommerpause für überparteiliche Gespräche zu nutzen, um in der nächsten Kreistagssitzung am 7. Oktober 2026 einen beschlossenen Haushalt vorlegen zu können.

Hintergrund: Vorläufige Haushaltsführung

Der Kreistag hatte am 20. Mai den Nachtragshaushalt abgelehnt. Damit bleibt der Landkreis in der vorläufigen Haushaltsführung und darf nur gesetzlich vorgeschriebene Leistungen finanzieren. Das Innenministerium hatte ein Haushaltsloch von 19,3 Millionen Euro festgestellt und die Genehmigung für den Etat 2026 verweigert. Zur Deckung wollte die Kreisverwaltung die Kreisumlage von 43,57 auf 49,73 Prozent anheben.

SPD und FDP/Freie Wähler schlugen einen Kompromiss von 45,5 Prozent vor, der die Gemeinden um sechs Millionen Euro zusätzlich belastet hätte – statt der vollen 19,3 Millionen Euro. Eine Mehrheit, maßgeblich CDU und AfD, lehnte auch diesen Vorschlag ab.