Hohenmocker: Psychisch kranker Mann muss endlich ins Gefängnis
Hohenmocker: Psychisch kranker Mann hinter Gittern

Die Einwohner von Hohenmocker können es kaum erwarten, dass einer aus ihrer Mitte endlich ins Gefängnis muss. Ein psychisch kranker 61-Jähriger, der sich nach Ansicht vieler Dorfbewohner zu einer latenten Gefahr entwickelt hat, ist nun hinter Gittern. Das Landgericht Neubrandenburg bestätigte Anfang Juli ein Urteil des Amtsgerichts Neubrandenburg, nach dem der Mann für neun Monate in Haft muss. Rechtsmittel wurden nicht eingelegt, das Urteil ist rechtskräftig. Nach Informationen seines Anwalts musste der Verurteilte am Wochenende in die Justizvollzugsanstalt Neustrelitz einziehen.

Jahrelange Vorfälle und Brandstiftung

In den vergangenen Jahren soll es dutzende Vorkommnisse mit dem Mann gegeben haben. Die Polizei war und ist noch immer Dauergast in dem Ort südöstlich von Demmin. Ein erster Teil der Vorwürfe wurde strafrechtlich aufgearbeitet. Im Prozess hatte eine Gutachterin ausgesagt, der Angeklagte habe eine schizoaffektive Störung mit bipolaren Tendenzen. Trotz der Prozesse und Verurteilungen gab es zuletzt weitere Vorfälle, berichtet Hohenmockers Bürgermeister Thomas Korrmann. Der letzte schwere Vorfall soll erst in der vergangenen Woche passiert sein.

Die 68-jährige Rentnerin Claudia Leunig fand in ihrem Anbau Brandspuren. Die Polizei bestätigte, dass ein Brandsatz durch eine Fensterscheibe geworfen wurde. Ein Kriminalbeamter sagte ihr, sie habe viel Glück gehabt. Die Polizeiinspektion Neubrandenburg bestätigt, dass mehrere Brandsätze durch selbstgebaute Brandbeschleuniger gelegt oder geworfen wurden. Der Sachschaden wird auf 150 Euro geschätzt. Der Verdacht gegen den 61-Jährigen erhärtete sich. Gegen ihn wird wegen des Vorwurfs der schweren Brandstiftung ermittelt.

Weitere Vorfälle und Angst im Dorf

Nur wenige Tage später löste der 61-Jährige einen größeren Einsatz von Feuerwehr, Polizei und Rettungswagen aus. Er klopfte an Leunigs Tür, und als sie nicht öffnete, meldete er dem Rettungsnotruf, dass eine tote Frau im Haus liege. Bürgermeister Korrmann spricht von der fünften Brandstiftung innerhalb von zwei Jahren und ist überzeugt, dass es immer der gleiche Täter ist. Eine andere Nachbarin erlebte im vergangenen Jahr einen ähnlichen Brandanschlag; ihr Anbau ist eine Ruine, und die Versicherung weigert sich zu zahlen.

Die Seniorin, die auf ihrem Grundstück Pferde und Hunde hält, berichtet von weiteren Vorfällen: Der Mann soll ihr 32 geköpfte Tiere über das Tor geworfen, ihren Zaun zerstört und sie nachts angerufen haben. Nach dem letzten Brand gestand er ihr am Telefon, das Feuer gelegt zu haben. Sie ist bereit, ihre Aussage vor Gericht eidesstattlich zu Protokoll zu geben.

Dorfbewohner fühlen sich nicht geschützt

Die Grundstücke vieler Einwohner gleichen überwachten Festungen, alles wird mit Videokameras überwacht. Die Dorfbewohner werfen Polizei und Justiz vor, sie nicht zu schützen. Der Bürgermeister sagt, sie hätten dem Staatsanwalt, dem Landgericht, dem Bürgerbeauftragten und dem Petitionsausschuss geschrieben – doch nichts passiere. Korrmann war früher mit dem Mann befreundet, doch das ist lange vorbei. Auch Claudia Leunig pflegte ein gutes Miteinander, als die Frau des Mannes noch lebte. Im Dorf glaubt man, dass der Witwer, der inzwischen wieder geheiratet hat, seit Jahren nicht mehr regelmäßig seine Medikamente einnimmt. Seine verstorbene Frau habe darauf aufgepasst.

Leunig kritisiert, dass der Mann trotz Hausverbot in diesem Jahr ihren Gastank manipuliert habe. Sie versteckt ihr Auto, weil er die Scheiben zerstört hat. Er sei ein guter Schauspieler, der die Gesetze ausnutzt. Mehrmals sei er in die psychiatrische Abteilung der Odebrecht-Klinik nach Greifswald gebracht worden, aber nach wenigen Tagen wieder zurück im Dorf gewesen. Nun haben alle den Zeitpunkt herbeigesehnt, an dem der 61-Jährige endlich seine Haftstrafe antreten musste.