Zehn Tage nach Ausbruch des inzwischen weitgehend gelöschten Großbrands im Müritz-Nationalpark sind rund 40 Feuerwehrleute immer noch im Einsatz. Kameraden aus Kratzeburg bauten am Mittwoch am Pagelsee zwischen Granzin und Krienke und in Granziner Mühle Pumpen und anderes Material ab.
Keine Ablösung, wenig Schlaf
Die Kratzeburger, in deren Gemeinde die eigens eingerichtete Waldbrandeinsatzzentrale liegt, waren von Anfang an dabei, haben sich nicht ablösen lassen und bleiben noch tagelang in Bereitschaft. Wie fühlt man sich nach zehn Tagen Dauereinsatz? Erstaunlich gut, sagt Tim Schneidewind. Er staune selbst, wie fit er noch ist, obwohl er und seine Kameraden nicht viel Schlaf bekommen hätten.
Adrenalin und Teamgeist
Gearbeitet wurde täglich von 7 bis 21 Uhr, manchmal auch bis Mitternacht, berichtet Tim Schneidewind. Zum Schlafen seien die meisten nach Hause gegangen, während eine Schicht in Bereitschaft blieb. Allerdings sei an Schlaf nicht wirklich zu denken gewesen. „Ich wohne direkt bei Kanu-Hecht in Kratzeburg, wo die großen Pumpen standen. Die liefen auch nachts. Ich habe sie die ganze Zeit gehört. Außerdem ist man so voller Adrenalin, dass der Körper erst einmal herunterfahren muss. Mehr als drei Stunden pro Nacht habe ich nicht geschlafen“, erklärt der 26-Jährige.
Das Erlebte sei aber nicht nur stressig gewesen, sondern habe durchaus auch ein wenig Spaß gemacht. „Wir sind wie eine große Familie“, beschreibt der Hauptfeuerwehrmann den Zusammenhalt unter den Rettungskräften. Es sei schön gewesen, so viele Kameraden verschiedener Organisationen zu sehen, mit ihnen zusammenzuarbeiten, den Teamgeist zu erleben und die teils große und außergewöhnliche Technik aktiv zu haben.
Unterstützung der Bevölkerung
Neben dem Waldbrand im Juni bei Neustrelitz und einem Gebäude-Brand vor Jahren in seiner Gemeinde sei dies sein bisher größter Einsatz. Den werde er nie vergessen. Er sei seit 2019 in der Feuerwehr. Besonders beeindruckt habe ihn „die Unterstützung der Bevölkerung“. „Die war grandios. Wir haben uns niemals alleingelassen gefühlt, waren überwältigt.“
Einwohner spendierten Kuchen, Pizza und Bockwurst. „Erst mal wurden wir mit Essen und Getränken von den Johannitern versorgt, und dann kamen ganz viele Einwohner mit selbst gebackenem Kuchen. Da wurde ein richtiger Aufruf gestartet. Dann haben wir Getränke bekommen, dann hat der Havelkrug in Granzin Pasta und Pizza gemacht, und dann halt Kaffee und belegte Brötchen. Das Café Glücksmanufaktur in Dalmsdorf hat uns mit Bockwurst zum Mittag versorgt. Diese Unterstützung hat uns viel Rückhalt gegeben. Was sehr berührend war, waren die Kinder mit ihren selbst gebastelten Schildern.“
Neue Feuerwehrleute in Aussicht
Der Großeinsatz und die Arbeit der Feuerwehrleute hätten viele Menschen in der Region derart bewegt, dass drei angekündigt hätten, selbst in die Feuerwehr einzutreten. „Ob wir sie wirklich dafür begeistern können, wird sich im Nachhinein zeigen. Jetzt haben wir erst einmal noch sehr gut zu tun. Vielleicht unterstützen sie uns schon beim Rückbau.“
Wie viele Kilometer Schläuche in Wald und Dörfern sie verlegt haben, das weiß Tim Schneidewind nicht. „Ich glaube, das weiß keine Wehr so genau. Man bekommt ja immer nur mit, was an der Stelle passiert, an der man selbst im Einsatz ist.“ In der Kratzeburger Feuerwehr sind 34 Kameraden aktiv, darunter neun Frauen.
Lage entspannt sich
Die Lage im Waldbrandgebiet beschrieb Landkreis-Sprecher Marten Schröder am Mittwoch als „deutlich entspannt“. Es bleibe bei 400 Quadratmetern betroffener Fläche, welche mittels Drohne und von Nationalpark-Mitarbeitern „engmaschig beobachtet“ werde. Kreisregner und Schläuche bleiben vorerst im Wald und können jederzeit wieder in Betrieb genommen werden. Am Mittwoch wurde ein Polizeihubschrauber mit Wärmebildkamera in Dalmsdorf erwartet.
Am Sonntag, dem 26. Juli, ist in Granzin ein Dank-Gottesdienst für Einsatzkräfte und Anwohner. Hunderte Gäste werden gegen 14 Uhr erwartet.