Kein Supermarkt weit und breit: Dorf baut sich eigenen Laden in alter Scheune
Dorf baut sich eigenen Supermarkt in alter Scheune

In Siedenbollentin haben die Umbauarbeiten für einen neuen Einkaufsmarkt in einer ehemaligen Scheune begonnen. Der Markt entsteht in der Ortsmitte beim Gutshaus. Grundvoraussetzung war der Kauf von mindestens 500 Genossenschaftsanteilen zu je 100 Euro durch Bürger.

Scheune wird entkernt

Handwerker Stefan Salvers und zwei Kollegen haben mit den Arbeiten begonnen. „Wir müssen zunächst die zukünftigen Verkaufsräume leerräumen und entkernen“, sagte Salvers. „Hier wurde früher Getreide gemahlen. Die große Getreidemühle wurde vom Erdgeschoss bis hinauf in das Dachgeschoss gebaut.“

Bürgermeister Thorsten Haker freut sich über den Baubeginn. Während der Bauzeit werden die drei Arbeiter täglich mit Mittagessen aus der Gaststätte „Zur Linde“ in Werder versorgt. „Gleichzeitig würde ich mich freuen, wenn sich Bürger mit einem freiwilligen Arbeitseinsatz an den Arbeiten beteiligen“, rief Haker auf. „So können wir viel Geld beim Umbau sparen.“

Investition von einer halben Million Euro

Der Investitionsbedarf wird auf etwa eine halbe Million Euro geschätzt. Da die Gemeinde diese Summe nicht allein stemmen kann, wurden Fördergelder beim Land Mecklenburg-Vorpommern beantragt. Die Senkung der Baukosten durch freiwillige Einsätze komme der gesamten Gemeinde zugute.

Die Versorgungslage im Dorf hat sich laut Haker verschlechtert. „Der Verkaufsbus kommt in der letzten Zeit immer unregelmäßiger“, erklärte er. „Hinzu kommt, dass sein Sortiment immer mehr abgenommen hat.“ Besonders ältere Menschen seien betroffen, die nicht mehr mobil genug seien, um selbst einzukaufen.

Mehr als nur ein Markt

Der geplante Enso-Einkaufsmarkt soll aus Sicht des Bürgermeisters weit mehr sein als ein reiner Lebensmittelmarkt. „Wir möchten hier eine Mehrfachnutzung erzielen“, so Haker. Der Markt sei „zugleich ein sozialer Treffpunkt für die Bürger, mit einem Bürgerinformationsbüro und einer Poststelle.“

Die Gemeinde hatte die Scheune 2014 von Hans Georg Kußmann gekauft. „Man stelle sich vor, der Landwirt hätte die Scheune an einen Autohändler verkauft“, sagte Haker. „Dann würden auf der Fläche hier vor der Scheune womöglich Schrottautos stehen und mitten im Dorf das ganze Dorfbild zerstören.“

Treffen mit Enso-Mitarbeitern geplant

In den kommenden Tagen soll es ein Treffen mit leitenden Enso-Mitarbeitern vor Ort geben, um den Umbau abzustimmen. Der neue Markt soll nur die Fläche im Erdgeschoss nutzen. Dafür wird eine Decke eingezogen und der Fußboden erneuert. Auch die Fassade wird bearbeitet: „Die verbleibenden Holzbereiche werden mit Sand abgestrahlt, sodass die Historie sichtbar bleibt“, so Haker. Mit einer Eröffnung des Marktes ist rund um Weihnachten 2027 zu rechnen.