Anita Lasker-Wallfisch, Holocaust-Überlebende und Cellistin, feiert am 17. Juli 2025 ihren 100. Geburtstag. Sie überlebte das KZ Auschwitz-Birkenau, weil sie im Frauenorchester Cello spielte.
Deportation nach Auschwitz
Im Dezember 1943 wurde die damals 18-Jährige nach Auschwitz-Birkenau deportiert. „Wir wussten von Gaskammern. Ich habe darauf gewartet, vergast zu werden“, erinnerte sie sich. Stattdessen wurde sie Teil des Mädchenorchesters, das Alma Rosé zusammenstellte. „Endlich kommt jemand, der tiefe Noten spielen kann. Das war mein Glück.“
Kindheit in Breslau
Anita Lasker wurde am 17. Juli 1925 in Breslau geboren. Sie wuchs in einer musikalischen jüdischen Familie auf. Ihre Mutter Edith war Violinistin, ihr Vater Dr. Alfons Lasker Anwalt und Notar. Alle drei Schwestern lernten ein Instrument, Anita das Cello.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde der Musikunterricht schwierig. Nach der Reichspogromnacht 1938 kehrte sie nach Breslau zurück. Die Eltern wurden 1942 deportiert und ermordet. Anita und ihre Schwester Renate kamen ins Waisenhaus, später in eine Papierfabrik zur Zwangsarbeit.
Leben im KZ
Ende 1943 wurden die Schwestern nach Auschwitz deportiert. Das Orchester spielte Märsche und zur Unterhaltung der SS. „Wir konnten alles sehen, wie die Menschen in Rauch verwandelt wurden“, berichtete Lasker-Wallfisch 2018 vor dem Bundestag. „Solange sie dieses Orchester wollten, wäre es dumm gewesen, uns ins Gas zu schicken.“
Im Herbst 1944 kamen sie ins KZ Bergen-Belsen. Einen Tag nach der Befreiung am 15. April 1945 berichtete sie im BBC-Programm über die Gräuel. Sie sagte aus, dass die Gaskammern nicht Schritt halten konnten und Menschen bei lebendigem Leib verbrannt wurden.
Neuanfang in England
1946 erhielten die Schwestern die Einreiseerlaubnis nach England. Anita studierte an der Guild Hall School of Music und war 1949 Gründungsmitglied des English Chamber Orchestra. 1951 wurde sie britische Staatsbürgerin, 1952 heiratete sie den Pianisten Peter Wallfisch. Ihre Kinder Raphael und Maya sowie mehrere Enkel wurden ebenfalls Musiker.
Zeitzeugin und Buchautorin
Lange schwieg sie über ihre Erlebnisse. Erst Ende der 1980er Jahre übergab sie ihre Erinnerungen an die Kinder. Das Buch „Ihr sollt die Wahrheit erben“ wurde ein Welterfolg. Seit 1994 reist sie nach Deutschland und spricht vor Jugendlichen. „Ich fühle die Verantwortung den Menschen gegenüber, die nicht überlebt haben.“
2015 war sie beim Besuch der britischen Königin in Bergen-Belsen dabei. 2019 erhielt sie den Deutschen Nationalpreis. „Der Musik verdanke ich, dass ich hier bin“, sagte sie. Zu ihrem 100. Geburtstag besuchte König Charles sie persönlich.