Omas Tränen: Wenn Kinder flügge werden und das Herz berührt
Omas Tränen: Wenn Kinder flügge werden

In den meisten Bundesländern haben die Sommerferien schon begonnen. Für viele Familien heißt es danach Abschiednehmen von den Kindern, weil diese in den nächsten Wochen in eine Ausbildung, ein Studium oder in ein Sabbatjahr starten.

Tränen der Liebe – Leserin Dorothee Luthe erinnert sich

Unsere Leserin Dorothee Luthe kann sich noch gut daran erinnern, wie es war, als ihre Sprösslinge flügge wurden: „Bei jedem unserer drei Kinder war ich bestens ausgestattet mit allem, was nach Taschentuch aussah. Nicht erst bei den drei Abifeiern, auch im Laufe der gesamten Kindheit und Jugend der zwei Töchter und des Sohnes war es so: Wenn zum Beispiel Musik einsetzte, egal, ob Popsong oder Orgelstück, liefen bei der Mutti prompt die Tränen. Auch diverse Aufführungen in der Kita und Schule oder daheim brachten mich zum Weinen. Daher habe ich eigentlich selten ein aufwendiges Augen-Make-up getragen.“

Fünf Enkel bereichern das Leben

„Unsere lange schon im Leben stehenden Kinder rühren mich auch heute noch bisweilen zu Tränen. Und nicht zu vergessen, die fünf Enkelkinder, die unser Leben bereichern. Sei es, dass der Älteste mir morgens um 6 Uhr Sonnenaufgangsfotos schickt, oder der Jüngere, der sich mit dem Sprechen schwertut, endlich die ersten Wörter nachspricht - es gibt immer wieder einen Trigger, der es schafft mich so stark zu erweichen, dass sich der Tränenfluss nicht mehr aufhalten lässt.“

Dorothee Luthe ist überzeugt, „dass unsere Tränen ein Zeichen von Liebe sind. Und die ist es, welche unsere Welt dringend braucht.“

Antje Wied: Mutter mit 41

Ähnlich argumentiert Antje Wied: „Ich freue mich ungemein, dass es noch Eltern gibt, die ebenso wie ich, wirklich alles für ihre Kinder tun, weil es das größte Geschenk ist, Mutter zu sein. Meine Tochter, nun bald schon elf Jahre alt (wo ist die Zeit geblieben?), ist (m)ein absolutes Wunschkind. Wie lange habe ich ‚warten‛ müssen, bis es endlich ‚geklappt‛ hat. Da war ich bereits 41 Jahre, aber die Reife und die Stabilität im Leben waren die besten Voraussetzungen für mich und die Hingabe zu meinem langersehnten Traum, Mutter zu sein.“

Wechsel aufs Gymnasium

„Nun steht auch bei uns ein Schulausstieg an, nämlich der Wechsel von Grundschule aufs Gymnasium. Meine Tochter äußert die Wehmut und die Traurigkeit, ihre geliebte Schule, privat, klein und familiär, verlassen zu müssen, wenn auch der Wunsch auf das favorisierte Gymnasium in Erfüllung ging und die Freude/Neugier darauf parallel mitschwingt! Das heißt, auch ich schwelge aktuell gedanklich wieder in der Schulanfangszeremonie vor vier Jahren, und kann nicht glauben, wie schnell diese Phase doch vorüberging.“

„Mein Kind wurde doch ‚erst‛ eingeschult. Meine Tochter ist charakterlich sehr stark, ungemein wissbegierig, geprägt von unfassbarem Ehrgeiz, auch sportlich! Das nimmt mir natürlich die Schwere ums Herz, da ich weiß, sie wird sich auf der neuen Schule wunderbar einleben. Das Mutterherz tut sich trotzdem schwer, wenn die Kinder groß sind und flügge werden! Aber genau das ist doch unser Wunsch, zu wissen, dass die Kinder stark und selbstbewusst ihren Weg finden, und dabei immer und stets unter der Begleitung und den Ratschlägen ihrer Mama.“

Keine eigenen Kinder – aber Patentochter und Bonus-Enkel

Cornelia Pforr und ihrem Mann blieb es leider verwehrt, eigene Kinder zu bekommen: „Wir haben daher, so lebten wir es beide stets, unsere Berufe, u.a. als Pädagogen, mit Herzblut ausgeübt. Nach 53 gemeinsamen Jahren ist mein Lebensmensch vor einigen Monaten verstorben. Und ich lerne gerade, mir dieses andere, noch sehr fremde Leben, neu einzurichten. Wer mir sehr dabei hilft, sind unsere Patentochter und unsere ‚Bonus-Enkel'.“

Als die Patentochter „das Haus ihrer Eltern verließ, haben wir vier Eltern Rotz und Wasser geheult“, so Cornelia Pforr weiter: „Auch wenn sie noch in Berlin lebt und somit nicht sooo weit weg ist, ist der Auszug von Kindern stets ein großer Einschnitt. Und zwar im Leben aller Beteiligten.“ Dieses „Frei-und Loslassen“ bedeute für die „Zurückbleibenden“ eine Menge, ist unsere Leserin überzeugt: „Und ein Abnabeln birgt viele Gedanken; auch sorgenvolle.“

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