Im gläsernen Museum des Luftfahrttechnischen Museums Rechlin steht seit wenigen Tagen ein außergewöhnliches Ausstellungsstück: der Rumpf eines deutschen Kampfflugzeugs vom Typ Halberstadt CL.IV aus dem Ersten Weltkrieg. Es handelt sich um ein weiteres Großprojekt, das nach und nach vor den Augen der Besucher entstehen soll.
Besucher können den Fortschritt verfolgen
„Dann können die Besucher sehen, wie an den Objekten weitergearbeitet wird. Immer wenn weitere Teile fertig sind, werden sie hier montiert“, sagt der Fördervereinsvorsitzende Torsten Heinrichs. Das Museum unterstützt den Nachbau unter anderem mit Werkzeug und beim Zusammenbau der einzelnen Baugruppen.
Von der Halberstadt CL.IV existieren heute weltweit nur noch drei bekannte Originale – eines in den USA, eines im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Berlin-Gatow und ein weiteres im Deutschen Technikmuseum Berlin. Von dort hat sich die Familie Rühmann aus Magdeburg die originalen Baupläne und zahlreiche Einzelteilzeichnungen kopiert und arbeitet seit einiger Zeit an dem Flugzeug.
Vor rund anderthalb Jahren kaufte die Familie den noch unvollendeten Rohbau gemeinsam mit seinem niederländischen Erbauer aus der Insolvenzmasse eines Museums in den Niederlanden. Seitdem wird der Doppeldecker Stück für Stück fertiggestellt. Weil die Werkstatt in Magdeburg inzwischen zu klein geworden war, fiel die Entscheidung, den Rumpf nach Rechlin zu bringen und den weiteren Aufbau dort fortzusetzen.
Ist der Nachbau vollendet, wird das Flugzeug eine Spannweite von rund elf Metern erreichen. Es fehlen unter anderem noch die Tragflächen und verschiedene Verkleidungen.
Totenkopf-Bemalung und der Mythos des Roten Barons
Auffällig ist bereits jetzt die Bemalung mit einem Totenkopf. Solche individuellen Kennzeichen konnten die Piloten damals selbst wählen. „Wenn man im Luftkampf genügend Siege eingefahren hat, dann wirkte das angsteinflößend auf den Gegner“, erklärt Torsten Heinrichs. Als bekanntestes Beispiel nennt er den Roten Baron. Sein rotes Flugzeug habe beim Gegner oft nur zwei Reaktionen ausgelöst: Flucht oder den Versuch, ihn abzuschießen und damit selbst Ruhm zu erlangen.
Die Halberstadt CL.IV kam 1918 an die Front und gehörte zu den letzten Entwicklungen der Halberstädter Flugzeugwerke. Heinrichs geht davon aus, dass auch dieser Flugzeugtyp in Rechlin erprobt wurde. „Im August 1918 wurde die Flieger-Versuchs- und Lehranstalt eingeweiht. Danach wurde hier alles erprobt“, sagt er. Eingesetzt wurde der Doppelsitzer sowohl zur Sicherung von Jagdflugzeugen als auch als Erdkampfflugzeug, um Schützengräben mit Maschinengewehren und Granaten anzugreifen.
Ein besonderer Wunsch der Museumsleute ist es, eines Tages einen originalen Mercedes-D-III-Sechszylindermotor neben dem Nachbau präsentieren zu können. „Das wäre gigantisch“, sagt Heinrichs. Ein solcher Motor wäre zugleich das erste Triebwerk aus dem Ersten Weltkrieg in der Rechliner Ausstellung.
Museumsfest am 1. August
Wer den ungewöhnlichen Nachbau aus nächster Nähe erleben möchte, hat dazu auch am 1. August Gelegenheit. Dann lädt das Luftfahrttechnische Museum Rechlin zu seinem Museumsfest ein. Familie Rühmann wird selbst vor Ort sein und Uniformen des Kaiserlichen Heeres aus dem Ersten Weltkrieg präsentieren.
Ferner wartet das Museumsfest mit einem abwechslungsreichen Programm auf. Für Kinder gibt es unter anderem Kinderschminken, Flugzeuge zum Bemalen, eine Hüpfburg sowie einen Wissenswettbewerb mit Pokalen in drei Altersklassen. Technikfreunde können historische Motoren der „Feinstaubfreunde“ aus Bernau und Neuruppin bestaunen. Mehrmals am Tag werden Kurzführungen angeboten.
Außerdem erinnert ein Vortrag an Wilhelm Buss, der maßgeblich an der frühen Entwicklung des Schleudersitzes beteiligt war und sich freiwillig für die ersten Katapultversuche zur Verfügung stellte. Auf eine Abendveranstaltung wird in diesem Jahr verzichtet.