Im Mordprozess um den getöteten achtjährigen Fabian aus Güstrow wird die 3. Strafkammer des Landgerichts Rostock an diesem Dienstag eine Gefängnis-Psychologin als Zeugin anhören. Die Psychologin hatte nach der Untersuchungshaft der Angeklagten Gina H. am 7. November vergangenen Jahres mehrere Gespräche mit ihr geführt. Das Gericht erhofft sich dadurch Aufschluss darüber, wie sich die 30-Jährige in den vergangenen knapp zehn Monaten im Gefängnis verhalten hat.
Hintergrund der Angeklagten
Gina H. bezieht seit mehreren Jahren eine Erwerbsminderungsrente, weil sie laut Diagnose wegen psychischer Probleme nicht in der Lage ist, regelmäßig zu arbeiten. Auch vor ihrer Verhaftung hatte sie regelmäßig Therapie-Termine bei einem Psychiater. Am 25. Verhandlungstag wollen die Richterinnen und Richter außerdem eine Familienbetreuerin erneut hören, mit der Gina H. im vergangenen Jahr zu tun hatte. Weiterhin sollen weitere Sprachnachrichten im Gerichtssaal vorgespielt werden, die auf dem Handy der Angeklagten und jenen ihrer Freunde und Bekannten sichergestellt wurden.
Streit um Social-Media-Video
Zuletzt hatte ein Video aus den Sozialen Medien für Differenzen zwischen der Verteidigung und der Nebenklägerin gesorgt. Darin ruft eine Freundin von Fabians Mutter ihre Zuschauer auf, sich zu melden, falls sie seit dem Verschwinden des Jungen am 10. Oktober 2025 etwas Wichtiges beobachtet haben, zum Beispiel in Klein Upahl (Landkreis Rostock). Nach Ansicht der Verteidigung könnte das Video die Angeklagte entlasten, da es im Internet zu sehen gewesen sei, als noch nach Fabian gesucht wurde. Gina H. habe dadurch die Idee bekommen, am 13. Oktober spät abends zusammen mit einem Bekannten ausgerechnet bei Klein Upahl nach Fabian zu suchen.
Die Nebenklägerin bezweifelt die Echtheit des Clips. Nach ihren Angaben soll er nachträglich von einem „Hobbyermittler“ aus Ausschnitten des Originalvideos zusammengeschnitten worden sein. Das Original sei erst vier Tage, nachdem Fabian gefunden wurde, veröffentlicht worden.
Vorwürfe der Staatsanwaltschaft
Der achtjährige Fabian war der Sohn des damaligen Ex-Freundes der Angeklagten, der sich im August 2025 von ihr getrennt hatte. Die Staatsanwaltschaft wirft Gina H. vor, das Kind aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow gelockt und an einem Tümpel bei Klein Upahl erstochen zu haben. Später soll sie dorthin zurückgekehrt sein, um den Leichnam anzuzünden. In der Anklage unterstellt die Staatsanwaltschaft, Gina H. habe geglaubt, Fabian sei bei ihrem Bestreben im Weg gewesen, die Beziehung mit Fabians Vater wieder aufnehmen zu können.