Güstrow plant Aus für städtische Laubsäcke – Anwohner sollen selbst ran
Güstrow plant Aus für städtische Laubsäcke

Die Stadtverwaltung Güstrow plant, die Big Packs zur Laubsammlung im Herbst ersatzlos abzuschaffen. Das geht aus einer Verwaltungsvorlage hervor, die in der Hauptausschusssitzung am Donnerstagabend kontrovers diskutiert wurde. Die 117 großen Säcke, die bisher an Straßen mit dichtem Baumbestand aufgestellt wurden, sollen künftig entfallen. Die Verwaltung begründet dies mit Sparzwängen und einer angestrebten Gebührendämpfung.

Mehr Eigenaufwand für Anwohner

Für die Güstrower Bürger bedeutet der Wegfall der Säcke vor allem mehr Eigenaufwand und zusätzliche Kosten. Nach der Straßenreinigungssatzung sind Anwohner verpflichtet, Gehwege eigenständig von Laub zu befreien. Wer das Grüngut nicht auf dem eigenen Grundstück kompostieren kann, muss künftig auf kostenpflichtige Alternativen ausweichen: die Anlieferung auf dem Wertstoffhof für 1,60 Euro pro 100-Liter-Sack oder die saisonale Biotonne des Landkreises.

Besonders in dicht bewachsenen Straßenzügen wie der Wall- oder Goldberger Straße fallen große Mengen an. Kommunalpolitiker warnen vor praktischen Hürden und sozialen Härten. Sebastian Sterl (CDU) fragte, wie ältere Menschen ohne Auto oder Anhänger die Blättermengen abtransportieren sollen. Steffen Geufke (FDP) wies auf die Sturzgefahr durch feuchtes Laub hin. Auch die Kapazität normaler Biotonnen sei bei starkem Laubfall schnell erschöpft.

Freiwillige Leistung stößt an Grenzen

Bürgermeister Sascha Zimmermann betonte, dass es sich um eine reine freiwillige Leistung der Stadt handele, die personell und finanziell nicht mehr tragbar sei. Die Verwaltung erhofft sich durch das Aus der Laubsäcke Einsparungen bei den Personal- und Fuhrparkkosten, was künftigen Gebührensteigerungen bei der Straßenreinigung entgegenwirken könnte.

Bauhofleiter Martin Lemke verdeutlichte die Situation: Um die Laubsäcke zu betreuen, sind zwei Mitarbeiter viereinhalb Wochen lang voll gebunden. In dieser Zeit fehle ein Pritschenwagen mit Ladekran für Kontrollen und Reparaturen auf Kinderspielplätzen. Der Ladekran werde benötigt, um die Big Packs anzuheben. Zudem verwies die Verwaltung auf Müllabladungen in den Säcken und eine verwickelte Gebührenungerechtigkeit: Bislang stehen die Säcke nur in ausgewählten Straßen, die Kosten werden jedoch auf die Gebührenzahler umgelegt. Da auch Anwohner aus Straßen ohne Gebührenpflicht ihr Laub dort entsorgen, zahlen manche Bürger für die Beseitigung fremden Grünguts und Mülls mit.

Wie die Politik reagieren kann

Die SPD-Fraktion unterstützt die Abschaffungspläne im Sinne der Gebührengerechtigkeit. Vertreter von CDU und FDP befürchten hingegen teure Folgekosten. Hanni Böttcher (CDU) warnte davor, dass liegengelassenes Laub bei Unwettern massenhaft in die Entwässerungen geschwemmt werden könnte – was zu verstopften Gullys und Überschwemmungsgefahren bei Starkregen führe. Hans-Georg Kleinschmidt (SPD) äußerte die Sorge, dass Bürger das Laub ohne die gewohnten Säcke künftig vermehrt wild auf öffentlichen Flächen entsorgen könnten.

Formal ist für die Sitzung der Stadtvertretung am 24. September lediglich eine Kenntnisnahme der Verwaltungsvorlage vorgesehen. Wollen die Stadtvertreter den Stopp der Laubsäcke verhindern, müssen sie aktiv werden: Entweder bringen sie bis zur Sitzung einen eigenen Beschlussantrag ein oder stellen einen Antrag auf Änderung der Straßenreinigungssatzung.