In Neubrandenburg wurde am Dienstag, dem 21. Juli, dem Geburtstag der Schriftstellerin, ein Weg nach Brigitte Reimann benannt. Oberbürgermeister Nico Klose und weitere Bewunderer versammelten sich im Park am Schwanenteich, nicht weit von Reimanns letzter Adresse. Der Weg führt nun vom Engelsring durch den Park, kreuzt die Linde und den wiederentdeckten Pries-Weg und führt weiter zwischen Sport- und Divi-Parkplatz bis zum Weidenweg.
Rebellin im Literaturbetrieb der DDR
Andrea Werner, Geschäftsführerin des Neubrandenburger Literaturzentrums, ließ in einem Text, den Christiane Frenz vortrug, aus Reimanns Tagebuch zitieren. Im Literaturbetrieb der DDR sei sie unangepasst und rebellisch gewesen und habe früh das ungleiche Machtgefälle zwischen Männern und Frauen angeprangert. Werner schloss sich den Worten der Autorin Carolin Würfel an: „Wer etwas über Mut und Hingabe erfahren möchte, muss Reimann lesen. Sie zeigt uns, wie man es krachen lässt, scheitert, wieder aufsteht und neu beginnt. Brigitte Reimann ist eine Ikone – eine Pionierin weiblicher Befreiung.“
Bürger hatte anderen Ort vorgeschlagen
Der Bürger Werner Schulze hatte die Idee, einen Weg nach Reimann zu benennen, nachdem er von einem gescheiterten Antrag der Fraktion SPD/Grüne gelesen hatte, mehr Straßen nach Frauen zu benennen. Er schlug den von Birken gesäumten Weg an der Linde vor. Doch wie sich herausstellte, hat dieser Weg bereits den Namen „Bürgermeister-Pries-Weg“ zu Ehren des Bürgermeisters Adolf Pries (Amtszeit 1889–1923). Eine Gedenktafel gilt als verschollen. Ratsherr Michael Stieber sprach von „einigen Zufällen und Umwegen“ während der Recherche. Der Weg des vergessenen Bürgermeisters soll nun seine Würdigung zurückerhalten.
Ideengeber enttäuscht
Werner Schulze zeigte sich vor Ort enttäuscht und sprach sich für die Birkenallee am Lindenbach aus, die nun wieder an einen Mann geht. Er hatte als Ideengeber keinen Einfluss. Schulze, auch Mitglied im Literaturverein, gab mit auf den Weg: „Lest Brigitte Reimann.“ Seine Empfehlung: das Buch „Das grüne Licht der Steppen. Tagebuch einer Sibirienreise“ von 1965.