Die Hansestadt Rostock rechnet mittelfristig mit einem Überangebot von 2500 Krippen- und Kindergartenplätzen. Ursache ist ein anhaltender, massiver Geburtenrückgang. Am 1. September berät der Jugendhilfeausschuss über eine verbindliche Bewertungsmatrix, um einheitlich zu bewerten, welche Kitas langfristig benötigt werden und welche Standorte umgenutzt werden könnten.
Auslastungen sinken dramatisch
Mit Stand Februar 2026 gibt es in Rostock 97 Kindertageseinrichtungen und 40 Kindertagespflegestellen. Innerhalb eines Jahres (2024/2025) sanken die Kinderzahlen um 674. Das entspricht einem Rückgang der Auslastungen bei den Krippen um fünf Prozent und im Kindergarten um drei Prozent.
Die Überkapazitäten verteilen sich auf die Versorgungsräume wie folgt: Groß Klein, Schmarl, Warnemünde und Hohe Düne haben 1356 Plätze bei einem Bedarf von 1087 (Überkapazität 269). In Lichtenhagen, Lütten Klein und Evershagen stehen 1895 Plätze 1710 Bedarfsplätzen gegenüber (Überkapazität 185). Reutershagen, Gartenstadt, Stadtweide, Hansaviertel und KTV verzeichnen 2855 Plätze bei 1758 Bedarf (Überkapazität 1097). Südstadt und Biestow haben 969 Plätze bei 577 Bedarf (Überkapazität 392), wobei geplante Änderungen wie die Kita Kesselborn mit weniger Plätzen, die Schließung Zauberflöte und der geplante Neubau Kiefernweg berücksichtigt sind. Stadtmitte und Brinckmannsdorf weisen 1384 Plätze bei 1196 Bedarf auf (Überkapazität 188). Dierkow, Toitenwinkel und Gehlsdorf haben 1879 Plätze bei 1427 Bedarf (Überkapazität 452).
Die Entwicklung war der Verwaltung bekannt. Im Juni legte sie die angepasste Kita-Bedarfsplanung vor. Seit 2020 steuert das Sozialdezernat unter Senator Steffen Bockhahn (parteilos) gegen: Bis auf zwei Ausnahmen wurde keine neue Kita genehmigt. Zudem wurden über die Betriebserlaubnisse Plätze abgebaut. Gab es zum 31.12.2024 noch 10.078 von der Stadt genehmigte Kita-Plätze, sind es Stand April 2026 noch 9706.
Die bisherigen Bemühungen zeigten noch nicht die gewünschten Effekte, etwa dass Träger Kitas von sich aus schließen. Die Verwaltung legt nun eine Bewertungsmatrix vor, um bestandsgefährdete Kitas zu identifizieren und gegebenenfalls mit den Trägern auf Basis dieses einheitlichen Bewertungsmaßstabs in Kontakt zu treten.
Vier Indikatoren, klare Gewichtung
Die neue Bewertungsmatrix wurde von einer Arbeitsgruppe aus Jugendamt sowie dem Amt für Finanzen und Planung entwickelt. Sie basiert auf vier Indikatoren: Gebäudezustand, Auslastung, Trägervielfalt und pädagogisches Konzept. Die ersten beiden Kriterien fließen vollständig in die Bewertung ein, die anderen zu 50 Prozent. Die Punktevergabe erfolgt nach der Skala 2–4–6.
Die Bewertungskriterien im Einzelnen: Beim Gebäudezustand gibt es für unsanierte oder teilsanierte Gebäude 2 Punkte, für sanierte ab 2005 4 Punkte und für Neubauten oder vollsanierte Gebäude ab 2020 6 Punkte. Bei der Auslastung werden unter 70 Prozent mit 2 Punkten bewertet, über 70 Prozent mit 4 Punkten und über 90 Prozent mit 6 Punkten. Bei der Trägervielfalt erhalten Einrichtungen mit sieben oder mehr Einrichtungen desselben Trägers 2 Punkte, mit drei bis sechs Einrichtungen 4 Punkte und mit ein bis zwei Einrichtungen 6 Punkte. Beim pädagogischen Konzept gibt es für ein Regelangebot ohne besondere Schwerpunkte 2 Punkte, für kombinierte Konzepte oder Zusatzqualifikationen wie BNE, „Waldkönner“ oder „Sprachkita“ 4 Punkte und für Einrichtungen mit sozialräumlicher Funktion wie Kinder- und Familienzentren 6 Punkte.
Im Ergebnis werden drei Kategorien angenommen: Bestandsgefährdung (insgesamt 6–10 Punkte), Beobachtung der Bestandsfähigkeit (11–14 Punkte) und Bestandssicherheit (15–18 Punkte).
Konzept soll zum Jahresende folgen
Nach der geplanten Verabschiedung im Jugendhilfeausschuss soll die Matrix als verbindliches Instrument zwischen öffentlichen und freien Trägern dienen. Vorgesehen sind ein vierteljährliches Monitoring der Auslastung, regelmäßige Berichte an den Jugendhilfeausschuss sowie Gespräche mit Trägern von Einrichtungen, die weniger als 11 Punkte erzielen.
Mit Stand Dezember 2024 weist Rostock laut aktualisierter Bedarfsplanung insgesamt 16.901 Plätze aus: 251 in der Kindertagespflege, 3222 Krippen-, 6865 Kindergarten- und 6563 Hortplätze. Die Auslastung lag bei 77,6 Prozent (Krippe/Kindertagespflege), 89,6 Prozent (Kindergarten) und 98,8 Prozent (Hort). Die Versorgungsquote Rostocker Kinder betrug 118,4 Prozent in Krippe/Kindertagespflege, 117,9 Prozent im Kindergarten und 93,1 Prozent im Hort.
Bis Jahresende soll ein Konzept vorliegen, das die aktuelle Bevölkerungsprognose einbezieht. Eine Gesamtstrategie für die kommunale Kinderbetreuung wird ebenfalls bis Ende des Jahres erwartet.