Rassismus-Vorwürfe gegen Oberarzt: Ärztekammer prüft Konsequenzen
Rassismus-Vorwürfe gegen Oberarzt: Ärztekammer prüft

Der Fall eines freigestellten und angezeigten Oberarztes der Universitätsmedizin Rostock (UMR) sorgt weiterhin für Aufsehen. Nach Recherchen der Initiative „HoGeSatzbau“ zu rassistischen und gewaltverherrlichenden Beiträgen des Mediziners in den Sozialen Medien reagierte die Klinik umgehend. Angaben der UMR zufolge bestätigten sich die Vorwürfe, woraufhin der Arzt freigestellt und angezeigt wurde. Neben den arbeits- und strafrechtlichen Konsequenzen werfen die Ereignisse aber auch Fragen auf: Wie konnte die menschenverachtende Haltung, die dem Mann nun auch von seinem Arbeitgeber vorgeworfen wird, über Jahre unentdeckt bleiben? Und welche Auswirkungen hatte das möglicherweise auf die Patientenbetreuung?

Zweifel am Charakter des Arztes werden lauter

Die laufende Debatte zeigt, dass der Fall möglicherweise kein Einzelfall ist. Kommentatoren betonen, dass Alltagsrassismus und strukturelle Benachteiligung im Gesundheitssystem keine Seltenheit seien.

Während das kollegiale Umfeld des Rostocker Arztes zunächst „erschüttert“ und „fassungslos“ auf die Vorwürfe reagierte, äußern sich hinter vorgehaltener Hand inzwischen auch vermehrt Stimmen, die den Charakter des Arztes in Zweifel ziehen. So wird etwa sein Einsatz in der Lehre kritisiert. Auch habe er in der Vergangenheit „kritische Scherze“ gemacht.

In den Kommentaren zur Stellungnahme der UMR auf Instagram ist zu lesen: „Hätten sie mal auf die vorherigen Hinweise reagiert, hätten sie sich vermutlich viel Ärger ersparen können.“ Ähnliche Andeutungen, es habe auch zuvor schon Hinweise auf ein mögliches Fehlverhalten gegeben, sind auch aus dem kollegialen Umfeld des Rostocker Mediziners zu vernehmen. Hat die UMR also von einem möglichen Fehlverhalten gewusst?

Klinikmitarbeiter melden sich nach Veröffentlichung

Wie Frauke „Kiki“ Seeba, die gemeinsam mit ihrem Partner Matthias Seeba-Gomille hinter dem Instagram-Profil „HoGeSatzbau“ steht, dem Nordkurier mitteilt, hätten sich nach der Veröffentlichung Personen aus dem Umfeld des Klinikpersonals bei ihnen gemeldet. Diese hätten angegeben, dass dies offenbar kein Einzelfall gewesen sei.

Die UMR betont: „Aussagen, die Gewalt gegen Menschen billigen, nahelegen oder androhen, sind für uns nicht akzeptabel.“ Ob tatsächlich weitere Vorfälle den Arzt oder womöglich auch anderes Klinikpersonal betreffend bekannt waren, muss nun geklärt werden.

Neben der UMR selbst prüft jetzt auch die Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern berufsrechtliche Schritte gegen „Dr. S.“. Sollten die Vorwürfe zweifelsfrei bestätigt werden, könnte das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGuS) dem Arzt die Approbation entziehen.

Arzt hat auf Warteliste keinen Einfluss

Und die Patienten? Der Mediziner sei vor seiner Freistellung unter anderem in der Transplantationsmedizin tätig gewesen, teilen die Aktivisten von „HoGeSatzbau“ in einem Beitrag zur Recherche mit. In den sozialen Medien äußerten Nutzer daraufhin die Sorge, er könnte Menschen mit Migrationshintergrund etwa bei der Vergabe von Spenderorganen benachteiligt haben.

Das ist rein strukturell aber ausgeschlossen. Denn weder die behandelnden Ärzte noch die Koordinatoren oder Transplantationsbeauftragten der verschiedenen Einrichtungen haben Einfluss auf die Warteliste. Die Vergabe von Spenderorganen verantwortet für Deutschland ausschließlich die internationale Organisation Eurotransplant, mit Sitz in den Niederlanden.